Bericht des Vorsitzenden vom 24. 11. 2010 bis 22. 11. 2011

Das zu Ende gehende Jahr stand ganz im Zeichen der vergeblichen Bemühungen, das Szeemann-Archiv nach Kassel zu holen. Anfang Juni mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Getty Institut den Vorzug erhielt. Mit entscheidend für den Erfolg der Amerikaner war, dass sie nicht (wie hier manche Gremien und Personen) den Zustand des Archivs schlecht redeten und dass sie ein überzeugendes Konzept für die baldige Erschließung des Archivs vorlegen konnten. Als wir im Januar bei uns Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen zu Gast hatten, bestand noch ein gewisser Grund zum Optimismus. Doch im Frühjahr verschlechterte sich Kassels Position, bis dann die Entscheidung für Getty fiel.

Harald Szeemann - Archiv

Obwohl Frau Lüscher mehrfach glaubhaft versichert hatte, dass sie das documenta Archiv für den Verbleib des Szeemann-Archivs vorziehen würde, haben im Lauf der Zeit zahlreiche Faktoren dazu beigetragen, die Kasseler Chancen zu schmälern. Erst verhielt sich die Stadt (auch bei der Einschaltung der Länder-Kulturstiftung) zu zögerlich, dann versuchte das Land, den Ankaufspreis unverhältnismäßig zu drücken und den Zustand des Szeemann-Archivs schlecht zu reden, und schließlich ließ das Land ab Ende 2009 keine Bereitschaft mehr erkennen, sich am notwendigen Ausbau des documenta Archivs und an der Erschließung des Szeemann-Archivs zu beteiligen. Allein (ohne das Land) aber hätte die Stadt die Erschließung nicht bewältigen können.

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Verkaufs an Getty habe ich gleichlautende Briefe an Ministerin Kühne-Hörmann und Oberbürgermeister Hilgen mit der Bitte geschrieben, gemeinsam an dem Ausbau des documenta Archivs mitzuwirken und die jeweiligen Ankaufssummen in Höhe von einer Million Euro dafür einzusetzen. Beide haben zwar nicht konkret, aber wohlwollend darauf reagiert.

Eine Chronik der Ereignisse finden Sie unter dem Stichwort Harald Szeemann auf der Homepage des documenta forums.

Immer wieder beschäftigte uns der Raum im Zwehrenturm. Zum wiederholten Male müssen wir Herrn Brinckmann dafür danken, dass durch alle Schwierigkeiten hindurch das Projekt voran getrieben und die Bedenken des Brandschutzes berücksichtigt werden konnten. Im Spätsommer/Herbst ist der Raum mit Sitzgelegenheiten und kleinen Tischen ausgestattet worden. Er sieht sehr edel aus, ist aber wirklich nur für kleine Gruppen angelegt. In der Mitte wurde ein Teppich eingepasst, der das Oktogonale des Raums betont. Jetzt müssen noch die neuen Lampen installiert und die Bild-Text-Tafeln fertiggestellt werden.

Der Laser zum Herkules mit seinem gespaltenen Strahl hatte lange Sorgen bereitet. Ebenso hatte es Probleme beim Betrieb des Lasers vom Turm des Landesmuseums gegeben. Herr Lauschmann aber hat die Probleme immer wieder in den Griff bekommen. Zweimal mussten wir den Orangerie-Laser samstags abschalten, weil der Strahl genau auf die Tribüne der Grimm-Festspiele traf, und einmal den Laser vom Zwehrenturm zum Herkules, weil der Strahl auf das Riesenrad auf dem Friedrichsplatz traf. Kurzzeitig hatte Horst Baumann gehofft, bei der nächsten documenta dabei sein zu können. Doch die Hoffnung zerschlug sich. Seine Bemühungen um eine Laser-Installation zum Brocken können wir nicht fördern. Baumann mahnte die Einrichtung eines roten Lasers in Kassel an. Herr Lauschmann meinte dazu, der rote Laser, so wie er angeboten werde, sei für die Wahrnehmung zu schwach und zu teuer. Er plädiert eher dafür, zusätzlich einen blauen Laser zu installieren. Das muss natürlich mit Blick auf die Kassenlage diskutiert werden. Herr Lauschmann ist bereit, wenn er beruflich mehr Luft hat, uns das Konzept im Frühjahr zu erläutern.

Wiederholt haben wir uns mit den Vorschlägen der Arbeitsgruppe zur Beschilderung der documenta-Außenkunstwerke beschäftigt. Die Arbeitsgruppe hat überzeugende Vorschläge erarbeitet. Gleichwohl gehen oft die Meinungen auseinander, wie dezent und doch erkennbar die Schilder angebracht werden können. Der Vorstand hat sich dafür ausgesprochen, das Konzept mit den erarbeiteten Bildbeispielen präsentationsreif zu machen und der Stadt zur Diskussion vorzulegen. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob und wie ein digitaler Führer zu den Außenkunstwerken geschaffen werden kann.

Die Museumsnacht 2011, die wir wiederum in Kooperation mit dem documenta Archiv und der Stiftung 7000 Eichen gestalteten, war ein voller Erfolg. Dadurch, dass die drei Kabinette von den Museen bespielt wurden, unten das Bistro geöffnet war und der Kinosaal im Untergeschoss mit einem üppigen Programm aufwartete, war der Publikumszulauf so groß wie nie zuvor. Man kann sagen: Alle haben unsern Stand gesehen. Gut besucht war auch der Ai Weiwei-Film „Fairytale“, den wir auf Anregung von Frau Debus zeigten. Ausschnitte daraus haben wir uns auch bei einem Jour fixe angesehen.

Ende vorigen Jahres erläuterten Heiner Georgsdorf und Harald Kimpel das von Arnold Bode entwickelte Oktogon-Projekt. Georgsdorf hatte vorgeschlagen, das Projekt zum Stadtjubiläum zu realisieren. Da das Innere des Oktogons aber bis dahin nicht saniert ist, wurde der Vorschlag zu dem Termin hinfällig.

Wir haben uns auch wiederholt mit dem Stand der Vorbereitungen zur nächsten documenta befasst. In einer Sitzung stellte uns Katrin Sauerländer das Projekt der 100 Notebooks vor. Bei der Sitzung war auch Horst Hoheisel anwesend, dessen Aschrottbrunnen jetzt nachträglich zu documenta-Ehren kommt.

Ende Mai feierte das documenta Archiv sein 50jähriges Bestehen. Die Aktivitäten zu dem Jubiläum, insbesondere die Performance von Laurie Anderson konnten wir durch die Einwerbung von Spenden und Zuschüssen in Höhe von 23000 Euro finanzieren helfen. Weitere 1500 Euro konnten wir zum Ankauf von vier Arnold Bode-Zeichnungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs einwerben.

Ich möchte nochmals alle Mitglieder herzlich bitten, im Freundes- und Bekanntenkreis für den Beitritt zum documenta forum zu werben. Unsere Wortmeldungen werden gehört und ernst genommen. Doch eine noch breitere Basis wäre wünschenswert. Immerhin ist das documenta forum – wenn auch nur langsam – gewachsen. Unter Arnold Bode startete der Verein 1972 mit 17 Mitgliedern, von denen noch vier dabei sind. 1998 waren es 44 Mitglieder (von denen noch 16 eingeschrieben sind). 2008 waren es 58 Mitglieder, und heute sind es 69.

Dirk Schwarze 22. 11. 2011

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