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Bode Centrum

Konzeptpapier Bode Centrum

Unser langjähriges Mitglied Prof. Klaus Pfromm hatte sich an der LaserMeter-Aktion ebenso stark engagiert wie bei den Bemühungen, das documenta Archiv zu einem documenta-Zentrum (Bode-Zentrum) auszubauen. Diese Bemühungen erhielten Auftrieb, als 2008 Initiativen gestartet wurden, das Archiv des Kurators Harald Szeemann nach Kassel geholt. Szeemann hatte 1972 die documenta geleitet und dabei das Berufsbild eines Ausstellungsmachers etabliert.

Der Architekt Klaus Pfromm kniete sich so sehr in die Arbeit, dass seine Überlegungen zu einem Bode-Zentrum die Qualität einer Studie erlangten. Obwohl von einer tödlichen Krankheit gezeichnet, konnte er den Kern der Studie fertigstellen. Sein Papier wurde zur Planungs- und Diskussionsgrundlage für die Arbeitsgruppe Stadt-Land, die sich mit dem Projekt Bode-Zentrum beschäftigte. In Erinnerung an Pfromms Leistung, der bald darauf starb, dokumentieren wir hier die Inhalte der Studie. Leider gibt es bis heute keine Chance auf Umsetzung der Überlegungen.

Vorrede

Die documenta gilt als eine der bedeutendsten und weltweit am meisten beachteten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Ins Leben gerufen wurde sie 1955 von dem Künstler und Kunsterzieher Arnold Bode in Kassel. Nach den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur sollte sie die deutsche Öffentlichkeit mit der internationalen Moderne und mit der eigenen gescheiterten Aufklärung konfrontieren und versöhnen. Niemand hätte damals gedacht, dass die Ausstellung, oft als „Museum der 100 Tage“ bezeichnet, zu einem beispiellosen Erfolg werden sollte – und doch findet im Sommer 2012 die dreizehnte documenta statt. Der singuläre Charakter der documenta wird sichergestellt: Es wird alle fünf Jahre eine neue Künstlerische Leiterin oder ein neuer Künstlerischer Leiter bestimmt und die Ausstellung gleichsam neu erfunden. Unter stets wechselnder Regie, und im ebenso gemächlichen wie unerbittlichen Rhythmus von fünf Jahren, ist die documenta zu einem weltweit verbindlichen Seismographen der zeitgenössischen Kunst avanciert: Bei der documenta zeigt sich, ob es der Kunst gelingt, die Welt in Bilder zu fassen und ob diese Bilder für ihr Publikum Gültigkeit haben. Ein Konzept, das sich bewährt. Bei der documenta 12 wurden über 750.000 Besucherinnen und Besucher gezählt.

Das Projekt

Nach mehr als zwei Jahren Diskussion über die Kulturentwicklung Kassels erlaubt sich das documenta forum Kassel ein Projekt vorzulegen, das der documenta die baulichen Voraussetzungen für seine permanent erfolgreiche Arbeit zu sichern und zu verbessern versucht. Zudem sollen die Aktivitäten, die zwischen den Ausstellungsterminen sich mit der documenta beschäftigen und, nach allgemeinem Konsens, noch deutlicher der documenta eine permanente Rolle im Kasseler Kulturleben geben und nach außen die Stadt mit ihrer documenta verbinden, hier ihren Platz und ihre Entwicklungschance erhalten. Entscheidende Bedeutung für dieses Projekt hat ebenso wichtig die Sicherung der documenta Halle als Ausstellungsraum für die documenta. Dies wird hier vorausgesetzt.

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1 Ideenpapier Arnold Bode Centrum, , Kultur Netz, documenta forum,
2 Diese Regelung soll gelten, bis ein zukünftiger Standort und die Versorgung von angemessenen Büroräumen für die documenta GmbH, für Büros der Kunsthalle und für das documenta-Archiv incl. erweiterter Archivräume geklärt sind oder ein alternativer Standort für ein innerstädtisches annehmbares Kulturhaus gefunden wurde.
 
 
 

dock4 – Nutzungsprogramm für das Bode Centrum:

Bildstudie zu einem Kasseler Kulturhaus an der Unteren Karlsstr.14• Verwaltung documenta GmbH
• Temporäre documenta-Leitung
• Aufbaustab documenta-Austellung
• Ausstellungspädagogik
• Documenta-Archiv mit Szeemannarchiv
• documenta-Akademie
• Apartments für Stipendiaten/Innen der documenta-Akademie, wenn möglich.
• Artothek
• Leitung Kunsthalle
• Gemeinsame Informations- und Dienstleistungsverbund: Kunstverein, Stiftung 7000 Eichen, Arnold Bode Stiftung, documeta forum
• Kunstcafé “chez Arnold“
• Gemeinsame Werkstätten: Kunsthalle, documenta, documenta Archiv
• Lager, Nebenräume

documenta GmbH

Die documenta GmbH ist als Unternehmen, mit der die Stadt Kassel und das Land Hessen ihre documenta Ausstellung verwirklichen. Neben der Durchführung der jeweils aktuellen Ausstellung verwaltet sie die Kunsthalle und die documenta-Halle. Ihre Organisation muß sehr flexibel sein: Ein relativ kleines Team wächst während der Ausstellungsvorbereitung so enorm an, daß sie zusätzliche Arbeitsflächen beanspruchen muß. In dem immer umfangreicheren und anspruchsvolleren Einwerbungsprozeß von Sponsoren, national und international, werden auch repräsentativere Räume erforderlich.

documenta-Leitung

Während der inzwischen vierjährigen Vorbereitungs- und der Durchführungsphase arbeitet die documenta-LeiterIn eng mit der GmbH zusammen. Diese ist ihr ausführender Arm. Die Leitung braucht selbstverständlich auch möglichst direkten Zugang zum Fridericianum. Immer stärker werden die Ansprüche an Informationsgewinnung, Informationsaustausch und Internet-Kommunikation, dabei spielt das documenta-Archiv eine wichtige Rolle.

documenta-Aufbaustab

Zu Beginn der Vorbereitungen für die Ausstellung arbeitet ein kleiner Stab wie eine Dramaturgie der Leitung zu. Im Laufe der Zeit kommen immer mehr organisatorische und vor allem technische Aufgaben dazu, um in den Wochen vor Ausstellungseröffnung den Höhepunkt an Personal- und Technikeinsatz zu erreichen. Während der Ausstellung kommen dann Betreuungsleistungen dazu. Nach den 100 Tagen muß dann das Ganze abgebaut, versandt, archiviert und rückgebaut werden.

Ausstellungspädagogik

Ist im Detail noch auszuführen

documenta-Archiv

Das documenta Archiv in Kassel – 1961 auf Initiative von Arnold Bode gegründet – ist eine Einrichtung zur Archivierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Bearbeitung der modernen und zeitgenössischen Kunst mit Schwerpunkt auf der documenta- Geschichte. Es zählt durch den kontinuierlichen Aufbau seines Literatur- und Medienbestandes zu den umfangreichsten Dokumentationszentren für die Kunst des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts in Europa. Neben dem Informationsauftrag zur Gegenwartskunst bildet die Archivierung der documenta Akten eine seiner grundlegenden Aufgaben. Darin eingeschlossen sind: sämtlicher Schriftverkehr, der in der Vorbereitung der documenta-Ausstellungen entstanden ist, Arbeitsprotokolle der jeweiligen künstlerischen Leiter sowie Künstler-Materialien inklusive Neuer Medien.

Über das systematische Sammeln von Schrift- und Bildmedien hinaus widmet sich das documenta Archiv der Aufgabe, die konservierten Zeugnisse in Dokumentationen, Ausstellungen und Forschungsprojekten zu präsentieren. Hierzu zählt auch die Schriftenreihe des documenta Archivs. Die Leistungen des Archivs richten sich in erster Linie an folgende Zielgruppen: documenta interessierte Kasseler und Besucher Kassels, Kunsthistoriker, Studenten der Kunsthochschule Kassel und anderer Universitäten, Künstler, Journalisten, internationale Forscher, Schüler.

Das documenta Archiv ist unverzichtbares Arbeitsmittel für das jeweilige documenta- Aufbauteam und dient zudem der Arbeit der Kunsthalle Fridericianum und dem Kasseler Kunstverein. Mit der Kunsthochschule Kassel werden häufig gemeinsame Lehrveranstaltungen durchgeführt; für deren Wissenschaftler bildet es einen wichtigen Fundus. Die Zusammenarbeit mit der Neuen Galerie hat sich bei verschiedenen Ausstellungsvorhaben bewährt, das Projektbüro/Stiftung 7000 Eichen ist inhaltlich direkt mit dem documenta Archiv verknüpft.

Das von der UNESCO ausgezeichnete Jubiläumsprojekt „Wiedervorlage d5“ mit einer Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins im Gebäude der Kunsthalle Fridericianum, mit einer Tagung in der Evangelischen Akademie Hofgeismar, an der Hochschullehrer der Kunsthochschule Kassel und der documenta-Leiter der d11 involviert waren, einem Gespräch im Evangelischen Forum und Filmvorführungen im Bali-Kino hat belegt, dass das Archiv als Kristallisationspunkt für fruchtbare und erfolgreiche Kooperation der documenta orientierten Institutionen wirkt. Solche Veranstaltungen übersteigen jedoch den heute vorgegebenen Aufgabenbereich eines Archivs, deshalb wird die Einbindung des documenta Archivs in ein geplantes Bode Centrum ein nächstes, wichtiges Ziel sein: Mit dem Bode Centrum sollen die maßgeblichen Vermittlungsinstitutionen zur Weltausstellung documenta bzw. der zeitgenössischen Kunst im Stadtraum gebündelt, ihre Arbeit effizienter, öffentlichkeitswirksamer und repräsentativer gestaltbar werden und damit die documenta-Idee mit dem Zentrum Kassel für eine breite Öffentlichkeit permanent, d.h. auch in den Jahren, in denen die documenta nicht stattfindet, erfahrbar zu machen.

Die 2006 begonnene Digitalisierung der verschiedenen gefährdeten Medien der documenta 1-5 (Fotos, Dias, Videos, Presseausschnitte) im Rahmen eines Projekts, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert wird, ermöglicht es langfristig sämtliche Materialien online zugänglich zu machen. Dabei wird eine komfortable Software die Einbindung aller katalogisierten Medien(Bücher, Zeitungsausschnitte, Fotos, Dias, Videos) bewerkstelligen. Auch das 2008 von der Bundeskulturstiftung bewilligte KURProjekt, das die Konservierung und Restaurierung der documenta- Videos beinhaltet, stellt die drängenden Fragen der Langzeitarchivierung in den Mittelpunkt.

2011 ist das 50jährige Jubiläum des documenta Archivs.

Szeemann-Archiv

Um das Privatarchiv von Harald Szeemann (* 11. Juni 1933; † 18. Februar 2005), in Maggia/Tessin in der Schweiz, wird zur Zeit wegen des Ankaufs verhandelt. Wir gehen davon aus, daß, wie wir im folgenden zu begründen versuchen, die Hinterlassenschaft des berühmten Kurators der documenta 5 unbedingt nach Kassel gebracht werden muß und wird.

The curatorial work of Harald Szeemann was highly complex and cannot be seen as having just a single aspect. For me his exhibitions in Zurich – and above all Der Hang zum Gesamtkunstwerk (The Tendency towards the Total Work of Art, 1983), which I visited every day while still at school – were formative experiences. This was due in part to Szeemann’s notion of the exhibition as a toolbox, as an archaeology of knowledge in the spirit of Michel Foucault. Whether he was showing Artaud, Gaudí, Schwitters, Steiner or contemporary artists, Szeemann accomplished the rare feat of bridging the gap between past and present. He tested out so many different modes of exhibiting, as well as curating many important solo shows: Beuys, Delacroix, De Maria, Duchamp, Merz, Nauman, Picabia, Serra … The 1985 Mario Merz exhibition, in particular, made a particularly lasting impression: Merz and Szeemann removed all the walls inside the Kunsthaus and displayed the work as an open field, with Merz’ igloos shown in the resulting space as a visionary and Utopian city: La Città Irreale. _Szeemann also saw his exhibitions as an ‘archive in transformation’. To me this was just as representative of his approach as the fact that he worked simultaneously as an independent curator and curator of Kunsthaus Zürich. Another important facet of his career was the way he oscillated between large and small, private and public. After the 1972 Documenta in Kassel, for example, there was the exhibition dedicated to his grandfather, held in a private apartment in Bern, with no hierarchy between the larger and the smaller show – entirely in keeping with Robert Musil’s observation that art can appear where one is least expecting it. Szeemann’s death is a major blow to the art world. Hans Ulrich Obrist

Harald SzeemannHarald Szeemann beeinflusste die Ausstellungsinstitution documenta nachhaltig – die documenta 5, 1972 gilt nach der documenta 1 als wichtigste der ganzen Ausstellungsserie. Hier und in der Folge hat Harald Szeemann die Profession des unabhängigen Ausstellungsmachers, des Kurators, definiert. Sein Privatarchiv kann in den Arbeitsauftrag des documenta Archivs eingebunden werden. Es erweitert den Fundus des Archivs in eine besonders interessante Dimension. Die imaginäre Gedankenwelt der Kuratoren. Dabei sollten die Archive auch anderer Kuratoren durchaus Gegenstand der Begierde sein. Das Archiv erhält dadurch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der documenta- bzw. der internationalen Ausstellungs-Geschichtswissenschaft. Das kulturelle Profil der Stadt Kassel würde mit dem Ankauf des Harald Szeemann Archivs einen Quellenfundus von internationaler Ausstrahlungskraft und höchster Reputation gewinnen. Bereits zu seinen Lebzeiten galt ihm sein Archiv als Inbegriff des von ihm so genannten „Museums der Obsessionen“ und war viel frequentierter Anlaufpunkt und Studienzentrum für KünstlerInnen, KuratorInnen und Wissenschaft lerInnen aus aller Welt. Gemäß seines Ethos, Kreativitätspotentiale, schöpferische Intensitäten bzw. Utopien sichtbar zu machen, entwickelte Harald Szeemann in der Ideenwerkstatt seines Archivs über 200 Autoren-Ausstellungen. Neben der documenta 5 von 1972 gehören hierzu „Kunst der Geisteskranken“ (1963), „When Attitudes Become Form (1969), „Happening und Fluxus“ (1970), „Junggesellenmaschinen“ (1975), „Der Hang zum Gesamtkunstwerk“ (1983), „Zeitlos“ (1988) die Biennalen von Venedig (1999) und (2001) oder „Blut und Honig – Zukunft ist am Balkan“ (2003)und zahlreiche andere. Das Projekt „Wiedervorlage d5“ (2001), bei dem das documenta Archiv bereits eng mit Harald Szeemann und seinem Archiv zusammengearbeitet hat, konnte zeigen, wie wichtig seine Referenz für nachfolgende Generationen von KünstlerInnen und KuratorInnen ist.

Das Harald Szeemann Archiv befindet sich in einem alten Fabrikgebäude im Tessin gelegenen Ort Maggia. Der Materialbestand erstreckt sich auf ca. 400 qm., Bücher, Kataloge, Zeitschriften, Korrespondenzen, Fotos, Presserezensionen, Plakate, Notizen, Konzeptpapiere, Manuskripte, aber auch von ihm selbst verfasste literarische Schriften (z.T. unveröffentlicht) liegen vor. Die Künstler- bzw. Kunstwerkfotografien des namhaften Fotografen Balthasar Burckhard, . Abgelichtet sind (z.T. unveröffentlichte) Werke und Aktionen der berühmten Künstler der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie z.B. Joseph Beuys, Bruce Nauman ua.) Innerhalb der archivspezifischen Materialkonvolute finden sich auch Original-Künstlerskizzen und Handzeichnungen sowie persönliche Erinnerungsstücke. Tabellen, architektonische Modelle, selbst gezeichnete Grundrisspläne mit der Zuordnung den Künstler- und Werknamen. Zum Memorialcharakter des Szeemann Archivs gehören die einheitlichen Weinkisten, die als Aufbewahrungsbehälter dienten. Für das Szeemann-Archiv werden hier angemessene Raumdispositionen getroffen. Damit das Archiv in seiner monolithischen Einheit weiter präsentiert werden kann. Weitere Nachlässe und Privatarchive wurden dem documenta Archiv bereits in Aussicht gestellt (Bazon Brock, René Block). Kassel verfügt institutionell über ein spezialisiertes Profil, z.B. hat die Kunsthalle Fridericianum unter der Leitung von René Block eine Kuratorenschule initiiert, die Kunsthochschule Kassel hat im Zuge der Umstellung auf die Bachelor/ Masterstudiengänge gegenwärtig das zeitgenössische Ausstellungswesen zum Gegenstand der beruflichen Qualifikation seiner AbsolventInnen gemacht. Zu einem synergetischen Effekt der bestehenden Kasseler Kultureinrichtungen könnte aber auch in internationaler Hinsicht die Zusammenarbeit(z.B. auch durch Austausch von Stipendiaten) mit weiteren Archiven der zeitgenössischen Kunst befördert werden.

documenta-Akademie

Besonders begabten jungen Künstlern aus der gesamten Welt mit abgeschlossenem Hochschulstudium soll mit Hilfe eines Stipendiums zwischen Studienabschluß und Beginn der professionellen künstlerischen Arbeit in der neu zu errichtenden „documenta- Akademie“ die Möglichkeit eröffnet werden, ein Jahr (oder 9 Monate) in Kassel zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.

Die Idee einer „documenta-Akademie“ findet sich – wenn auch in anderer Form – schon in den Überlegungen Arnold Bodes. Der Hochschullehrer und documenta- Erfinder Bode wollte ein „documenta-Institut“ zur wissenschaftlichen Vorbereitung für den jeweiligen künstlerischen Leiter der documenta und zur „Orientierung“ junger 8 Künstler außerhalb der documenta-Ausstellungen in den Räumen der Orangerie oder auch des Museum Fridericianum einrichten. In der „documenta-Akademie“ treffen sich Künstlerinnen und Künstler verschiedener Kontinente und Kulturen und lernen ihre Arbeit gegenseitig kennen. Sie können in einen Austausch von Ideen und Plänen treten und gemeinsam oder individuell Projekte realisieren.

Die besonderen Merkmale der „documenta-Akademie“ sind die Internationalität und die Intention, künstlerische Produktion, theoretische Reflexion und Öffentlichkeit auf neue Weise zu verbinden. Jede/r der bisherigen künstlerischen Leiter der documenta schlägt eine/n Künstler/in vor und übernimmt für die Zeit des Stipendiums eine “Patenschaft“. Auf diese Weise wird die Verbindung zwischen dem/der prominenten Ausstellungsmacher /in und dem Stipendiaten persönlicher als bei einer Gremiumsentscheidung, da der Auswählende mehr Verantwortung übernimmt. Auch zur Öffentlichkeitsarbeit für Künstler und Akademie ist ein solches Verfahren hervorragend geeignet. Wichtigster Ansprechpartner in der fachlichen Betreuung der jungen KünstlerInnen während des Aufenthaltes in Kassel ist der jeweilige Künstlerische Leiter der Kunsthalle Fridericianum. Die permanente Auseinandersetzung mit den Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in der Kunsthalle Fridericianum gibt die Möglichkeit der Begegnung mit schon etablierten Künstlern und Ausstellungsmachern.

Durch die Zusammenarbeit mit dem documenta Archiv und der Kunsthochschule Kassel bzw. der Universität Kassel könnte die documenta-Akademie neben der Möglichkeit zur eigentlichen künstlerischen Tätigkeit als Bestandteil des Stipendiums ein weitgefächertes „Curriculum“ anbieten, das auch juristische, wirtschaftliche und historische Fragestellungen beinhaltet. Im Mittelpunkt dieser „lebenspraktischen“ Studien stehen Themen und Probleme des zukünftig tätigen Künstlers und seiner außerkünstlerischen beruflichen Arbeitsbedingungen.¹

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1 documenta-Akademie, Februar 2008, Bernd Leifeld

Ateliers der documenta

Eine besondere örtliche Qualität kann die Akademie erreichen, wenn ihr Wohn- und Arbeitsateliers für die Stipendiaten zugeordnet werden können. Das sanierte dock4- Gebäude, dazu Volkstheater, und das Haus der Freien Szene ergeben mit der guten Rückfassade des Thalia-Gebäudes ein Ensemble, das nach einer Neugestaltung der Platzfläche verlangt. Durchgehend einheitliche Platzfläche mit einer ansehnlichen Möblierung für die Scater und Zufahrt nur für Lieferverkehr.

Artothek

Die bisher erfolgreiche Ausleihe von Kunstwerken aus dem Bestand der documenta ist wegen Platzmangel zur Zeit stark eingeschränkt. Sie soll zu den Aufgaben des documenta-Archivs gehören.

Kunsthalle

Die Kunsthalle Fridericianum hat sich als wichtige Ausstellungsaktivität zwischen den documenta Terminen etabliert. Mit ihren vorzüglichen Leitern ist sie der entscheidende Festplatz für eine documenta permanent, die immer wieder geforderte Verstärkung der Wahrnehmung Kassels als documenta-Stadt zwischen den documenta Ausstellungen.

Die Kunsthalle arbeitet zur Zeit mit einem minimalen Personalbestand: der künstlerischer Leiter, eine Sekretärin, eine kuratorische AssistentIn, eine MitarbeiterIn Kommunikation und ein Produktionsleiter. Weiterhin werden Praktikanten beigezogen. Zudem wird untersucht, inwieweit eine Volontariatsstelle im Bereich Vermittlung kreiert werden kann. Neben den eigentlichen Inhalten – Ausstellungen -, werden in der heutigen Zeit die Anstrengungen im Bereich Vermittlung/Bildung und Öffentlichkeitsarbeit/ Kommunikation wichtiger, auf Grund von dem gesellschaftlichen Wandel in Richtung einer ausgesprochenen Informations-, Wissens- und Freizeitgesellschaft.

Die Kunsthalle wurde als Kunsthalle ohne Sammlung konzipiert. Je nachdem wie sich die Zukunft der Neuen Galerie (Teil der MHK) gestalten wird, muss überlegt werden, ob auch im Hause Fridericianum Räume für Sammlungsbestände realisiert werden sollten. Wenn mittelfristig weiter Sammlungsräumlichkeiten durch Umzug der documenta- GmbH im 2. Obergeschoss des Hauses frei werden, könnte hier eine Daueraustellung zwischen den documenten etabliert werden. Damit würde sich gleichzeitig der Personalbestand der Kunsthalle erhöhen müssen.

Die Kunsthalle zeichnet sich durch eine sehr enge Zusammenarbeit mit KünstlerInnen aus. Projekte werden intensiv vor Ort entstehen und zum Tragen kommen. Deshalb ist die Kunsthalle nicht nur auf einzelne Büroräumlichkeiten für die MitarbeiterInnen, sondern auch auf Arbeitsräume für die jeweiligen KünstlerInnen angewiesen. Die unmittelbare räumliche Nähe dieser Büro- und sonstigen Arbeitsräume zum Fridericianum ist denkbar wichtig.

Informations- und Kommunikationszentrum

Die Institutionen und Vereine, die in Ihrer Arbeit der documenta und/oder der aktuellen Kunst zugewandt sind, sollen einen gemeinsamen zentralen Standort erhalten, an dem sie Ihre Leistungen bündeln, Informationen austauschen und vor allem von den Synergieeffekten gemeinsamer Infrastruktur profitieren. Kasseler Kunstverein, 7000-Eichen, documenta forum, Documenta-Stiftung.

documenta-Werkstätten

documenta, Kunsthalle, Kunstverein, documenta-Archiv, Stipendiaten, Hausverwaltung benötigen leistungsfähige Werkstätten um ihre technischen und restauratorischen Arbeiten erledigen zu können. Eine documenta-Werkstatt oder die Kombination von Spezialwerkstätten könnte in einem erheblichen Synergieeffekt eine qualitätsvolle technische und räumliche Ausstattung gewährleisten und immer noch zu Einsparungen führen. Man bedenke allein die Kombination unterschiedlicher terminlicher Nutzungen.

chez Arnold

Das Artcafé der documenta soll dem unprätentiösen Kontakt der documenta mit ihren Gästen über das ganze Jahr dienen. Es kann auch Kantinenfunktionen für die Mitarbeiter übernehmen.Darüber hinaus ist es die beste Nachbarschaft für den documenta- Shop.

Konzept der baulichen Entwicklung des Standortes dock4

Konzept der baulichen Entwicklung des Standortes dock4

Personalentwicklung

Diese Überlegungen zur Personalentwicklung dienen nur der Abschätzung des aktuellen und zukünftigen Raumbedarfs des Bode Centrums.
Selbstverständlich ist die Personalentwicklung Ergebnis der eigenen Planungen der Institutionen und des Aufsichtsrats der documenta-GmbH.

PersonalbestandAktueller StandZukünftig
Verwaltung documenta GmbH911
Temporäre documenta-Leitung (d11/d12)10 /19p15p
Aufbaustab documenta-Austellung11 / 32p25p
Technische Abteilung12 / 18p15p
Kunsthalle710
documenta-Halle11
Ausstellungspädagogik2
Kunstcafe chez Arnold3
Gemeinsame Werkstätten:4
Kunsthalle, documenta,
documenta Archiv
Lager, Nebenräume1
documenta-Akademie1
Apartments der documenta-Akademie
documenta-Archiv4,510
Szeemannarchiv2
Artothek1
Gemeinsame Informations- und Dienstleistungsverbund: Kunstverein, Stiftung 7000 Eichen, Arnold Bode Stiftung, documeta forum
1
Gesamt:47
55 p
([p] periodischer Bedarf beim Aufbau einer Ausstellung)

Raumbedarf

Auch der Raumbedarf wird nach den verfügbaren Vorgaben abgeschätzt; zum Teil werden neue Schätzungen vorgenommen. So kann nur eine grobe, generelle Bedarfsaussage gemacht werden. Selbstverständlich wird erst die konkrete Projektplanung ein belastbares Mengengerüst erarbeiten können.

Raumdisposition AktuellZukünftig
Verwaltung documenta GmbH180220
Temporäre documenta-Leitung (d11/d12)400p600p
Aufbaustab documenta-Austellung200p400p
Technische Abteilung360p300p
Kunsthalle140200
documenta-Halle
Ausstellungspädagogik40
Kunstcafe chez Arnold60
Gemeinsame Werkstätten:600
Kunsthalle, documenta,
documenta Archiv
Lager, Nebenräume600
documenta-Akademie250
Apartments der documenta-Akademie
documenta-Archiv6501,830
Szeemannarchiv400
Artothek100
Gemeinsame Informations- und Dienstleistungsverbund: Kunstverein, Stiftung 7000 Eichen, Arnold Bode Stiftung, documeta forum
40
Gesamt:3740
1300 p
([p] periodischer Bedarf beim Aufbau einer Ausstellung)

dock4 Nutzungsmöglichkeiten

Räumliches Nutzungskonzept

Das hier vorgestellte Nutzungskonzept ist aus Vorgaben der Nutzer, Berechnungen und Annahmen der Verfasser hervorgegangen. Damit soll es einer ersten Projektübersicht dienen. Bei der Konkretisierung des Projekts Bode Centrum werden alle Angaben zu überprüfen und auch die Planungsdispositionen den realen Bedürfnissen und Möglichkeiten anzupassen sein.

dock4 Nutzungsmöglichkeiten

Dock 4 - Nutzungsmöglichkeiten - Erdgeschoss

Das Bode Centrum documenta erhält einen neuen ebenerdigen, großzügigen Eingang in der linken Teilfassade. Die Eingangshalle führt nach rechts direkt zur documenta GmbH und über das Treppenhaus zu den übrigen Geschossen. In der Eingangshalle arbeitet die Hausinformation und der docu-shop. Beide sind mit dem anschließenden Café che Arnold verbunden. Das Café verfügt über einen bis zu 250 qm großen Gartenhof. Im Seitenflügel sind die Museumspädagogik und das Informationszentrum der documenta-Vereine und des Kasseler Kunstvereins untergebracht.

dock4 Nutzungsmöglichkeiten - Obergeschoss

Dock4 Nutzungsmöglichkeiten - 1. Obergeschoss

Im 1. Obergeschoss arbeitet die Leitung der Kunsthalle und zur Vorbereitung und Durchführung der jeweiligen documenta deren künstlerische und administrative Leitung.

Dock 4 Nutzungsmöglichkeiten 2. Obergeschoss

Dock 4 Nutzungsmöglichkeiten 2. Obergeschoss

Das 2. Obergeschoß ist das Arbeitsgeschoß der documenta. Hier richten sich die Künstlerische Leitung, die Kommunikations- und Publikationsabteilung und das Sekretariat mit der Vermittlung ein.

Dachgeschoß

Das Dachgeschoß soll dahingehend geprüft werden, ob es mit den Ateliers und Wohneinrichtungen der Stipendiaten der documenta Akademie ausgebaut werden kann.

Turnhalle

 

Neubau am Turnhallenstandort (documenta Haus)

Neubau am Turnhallenstandort (documenta Haus)

Mit ca. 810 qm könnte das jetzige Gebäude die für das documenta Archiv erforderlichen 1.800 qm auch mit sehr geschickten Ausbauten nicht hergeben.

Wir empfehlen deshalb einen Neubau, der über das Flächenangebot hinaus große Vorteile hat. Er erlaubt auf dem Niveau der Obersten Gasse eine bis zum Friedrichsplatz sichtbare ganzjährige Ausstellung zur documenta in Kassel. Zur Zeit stehen die Ausstellung, 50 Jahre documenta, und der documenta Tisch zur Verfügung. Auf dem Niveau des dock4-Hofes steht eine weitere Außenkontaktfläche bereit mit der das Szeemannarchiv und/oder die Artothek publikumswirksam präsentiert werden können.

Die erwünschten Nutzungen:
• Verwaltung documenta Archiv
• mit Unterbringung des Szeemann-Archivs und ggf. weiterer Archive1
• Ausstellungsfoyer der Archive und der
• artothek
• documenta documents
• Archivlager
• Szeemannarchiv
• Nebenräume der Hofnutzung

Der Hof

Im Zuge der dock4-Sanierung sollte der Hof ebenfalls für seine Nutzung für Freilichtaktivitäten optimiert werden. Dabei ist zu entscheiden, in welchem Umfang das Freilichtkino integriert werden kann. Dabei muss die Möglichkeit
einer adhoc-Überdachung (Zeltkonstruktion) geprüft werden.

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1 Es ist damit zu rechnen, dass weitere Archive für Kassel gewonnen werden, wenn die Stadt und das Land sich grundsätzlich bereit erklären würden, das Archiv in dieser Weise auszubauen.
 

1. Fridericianum

Kunsthalle Fridericianum, Kassel -  Fotografie von Torsten Wich Heiter

Kunsthalle Fridericianum, Kassel - Fotografie von Torsten Wich Heiter

Das Fridericianum hat zur Zeit vier Funktionen: Kunsthalle. Kasseler Kunstverein, documenta und TIF. Letzteres sollte mittelfristig einen besseren Platz finden. Damit können dann die Lager- und Depotflächen vergrößert werden. Die Verlagerung des TIF wird nur nach enger Konsultation mit dem Intendanten und seiner Mitwirkung möglich sein.

Die frei geräumte 2. Etage könnte einen entscheidenden Beitrag zur Attraktivierung des Fridericianums leisten. Es wird vorgeschlagen, hier eine Sammlung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts jeweils in der Zeit zwischen den documenta-
Ausstellungen als permanente Ausstellung zu präsentieren.

Rene Block ist offenbar bereit, seine Sammlungen dafür zur Verfügung zu stellen. Dies wäre eine ideale Verbindung mit hochklassigen Werken des 20. Jahrhunderts, die den vorhandenen, etwas singulären Beständen eine vorzügliche Referenz böten. Weitere derartige Sammlungen ließen sich ausstellen und damit auch zwischen den documenta-Ausstellungen Hinweise auf wichtige Quellen der documenta-Entwicklung ermöglichen. Entsprechend sind die Aufgaben der Kunsthalle zu erweitern.

Maßnahmen:
• Das Fridericianum wird in seiner bisherigen Nutzung optimiert.
• Die zweite Etage wird frei geräumt, Lagerräume im Keller könnten hinzu gewonnen werden.
• Die Nebennutzungen und Dienste werden nach dock4 verlegt.
• Zum dock4 wird eine unterirdische Verbindung geschaffen.

Dem documenta BodeCentrum muss eine zentrale Funktion bei der Verstärkung des Nutzens der documenta während der Ausstellungspausen für die Stadt Kassel zugemessen werden.
Es geht nicht um die Unterbringung von Vorhandenem. Es geht um die strategischen Maßnahmen zur kulturellen und finanziellen Fortentwicklung Kassels im „Weltmaßstab“! 1

Nebenbei sei noch darauf hingewiesen: Ein Neubau hier, zwischen Zwehrenturm und Elisabethhospital, sichtbar vom Friedrichsplatz, in der Zeile mit einer hoffentlich ordentlich baulich aufgewerteten Garnisonskirche und der Kulturnutzung der Bananenreife, wäre ein vorzüglicher Impuls für die Aufwertung des Quartiers Oberste Gasse.
 
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1 Siehe:Kulturnetz, Protokoll vom 30.04.07
Zentrum für Gegenwartskunst Kassel (Arnold Bode Centrum), KulturNetz Kassel u.a.
Das Arnold Bode Centrum, René Block, Kunsthalle 24.

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