Blog des documenta forums

Der neue Blog des documenta forums

Heute eröffnen wir den Blog des documenta forums! Hier werden wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge von Gastautoren und Mitgliedern des documenta forum rund um die Themenschwerpunkte documenta forums veröffentlichen. Für die Beiträge, die hier erscheinen werden, zeichnen die jeweiligen Autoren verantwortlich, es sind keine “offiziellen” Stellungnahmen des documenta forums. 

Der erste Beitrag des neuen Blogs stammt von Peter-Matthias Gaede. Gaede war von 1994 bis 2014 Chefredakteur des Reportagemagazins GEO von Gruner + Jahr. 2017 hat er einen vielbeachteten Artikel für das Magazin der Süddeutschen Zeitung geschrieben – er hatte die Vorbereitungen zur documenta als Journalist begleitet. Für unseren Blog wechselt er gewissermaßen die Blickrichtung und schreibt nun kritische Anmerkungen über die vielen “Nachbereitungen” zur documenta 14.

Der zweite Artikel stammt aus der Feder von Hans Brinckmann. Brinkmann ist Mitglied des documenta forums. Er war jahrelang Hochschulpräsident der Universität Kassel. Er gilt als ausgewiesener Experte für Umwelt- und Medienrecht sowie der Biopolitik. In der Sitzung des documenta forums am 13. März 2018 gab es eine ausführliche und sehr vielstimmige Debatte zu dem Obelisken von Olu Oguibe. Hans Brinckmann hat dazu einige “Anmerkungen zur Ikonographie” vorgetragen. Seinen überarbeiten Vortrag hat er uns freundlicherweise für unseren neuen Blog zur Verfügung gestellt.

Hier geht es zu den ersten beiden Beiträgen.

Anmerkungen zur Ikonographie des Obelisken von Olu Oguibe von Hans Brinckmann

Hans Brinckmann (* 13. Juni 1934 in Hamburg) ist ein deutscher Jurist und ehemaliger Hochschulpräsident der Universität Kassel. Er gilt als ausgewiesener Experte für Umwelt- und Medienrecht sowie der Biopolitik.  (Wikipedia)

Bild: Hans Brinckmann (links, im Gespräch mit Lutz Freyer)

Anmerkungen zur Ikonographie des Obelisken von Olu Oguibe – Für die Sitzung des documenta Forums am 13. März 2018  - von Hans Brinckmann

1. Wer ist das Subjekt der Inschriften, wer ist „Ich“?
Es könnte der Obelisk selbst sein, der als „fremde“ Figur in die Stadt kommt und den die Bevölkerung der Stadt beherbergt (beherbergen soll). Der Künstler selbst betont: „Der Obelisk ist eine zeitlose Form, eine Form, die aus dem Altertum stammt, ursprünglich kam sie aus Afrika.“(1) Der „Fremde“ könnte der Künstler sein, der mit seinem Kunstwerk von der Stadt aufgenommen wird. Es könnte ein ungenannter Fremder, der erklärt, er sei von der Stadtbevölkerung beherbergt worden. Für meine weiteren Überlegungen will ich die ersten beiden Varianten ausschließen und als Subjekt, als „Ich“ der Aussage, den Fremden schlechthin annehmen.

2. Wer ist der Adressat der Inschriften, wer ist „Ihr“?
Gemeint ist wohl derjenige, der das Kunstwerk wahrnehmen soll: der Küntler spricht mit seiner Aufschrift alle Betrachter an, also Besucher der documenta, die Bevölkerung der Stadt Kassel.

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Peter-Matthias Gaede über die documenta 14

Peter-Matthias Gaede (* 27. April 1951 in Selters) ist ein deutscher Journalist. Er war von 1994 bis 2014 Chefredakteur des Reportagemagazins GEO von Gruner + Jahr. (Wikipedia)

Bild: Peter-Matthias Gaede, links im Bild während der Museumsnacht 2016 in Kassel

Es ist ein Skandal, das 5,4-Millionen-Defizit der documenta 14 betrüblich zu finden und es künftig vermeiden zu wollen. Es ist ein Angriff auf die Freiheit der Kunst, die Dezentralisierung der documenta, wie sie 2017 mit dem Zweitstandort Athen praktiziert worden ist, für die Zukunft und auch retrospektiv kritisch zu überdenken; vor allem konzeptionell infragezustellen. Es ist eine ausgesprochene Anmaßung der Stadt Kassel, aus der Tatsache, dass sie die documenta seit 1955 wesentlich co-finanziert, die Hoffnung abzuleiten, die documenta könne ihr erhalten bleiben. Es muss sowieso mehr Geld her für die documenta – und dann sollte sie endlich das Recht haben, aus der „Provinz“ verschwinden zu können.

Das ist in Kurzfassung der Tenor jenes offenen Briefes, mit dem sich 130 Kunstschaffende aus Museen, Kunsthochschulen, Kunstvereinen, Theatern kürzlich an die Aufsichtsratsmitglieder der documenta gewandt haben. Der hohe Ton dieser Wortmeldung der „Besorgten“: Er ist ähnlich wie jener, den Anfang Dezember 2017 auch schon 74 Kuratoren und Künstler der documenta 14 in einem ebenfalls offenen Brief anschlugen, in dem sie den Vertretern von Stadt Kassel und Land Hessen vorwarfen,  die documenta einem platten „Deutschland zuerst“ unterwerfen zu wollen, eine „politische Kontrollübernahme in die Wege zu leiten“ und die Kunst dem Profitdenken zu opfern.

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