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documenta Archiv

 

documenta Archiv    /  documenta-Zentrum   /  Arnold Bode-Zentrum

Geschichte eines langen Kampfes

 Ein Abriss über die Entwicklung des Archivs seit 1961, zusammengestellt durch Dirk Schwarze, ergänzt durch Karin Stengel.

17. 1. 1961

Zur Sitzung der documenta-Gesellschaft legt Arnold Bode ein Papier vor, in dem es unter anderem heißt:

„Ist die Fortsetzung der documenta notwendig? … ja, aber nur unter einer Bedingung, dass für die Vorbereitung ein Institut oder besser gesagt ein Archiv gegründet wird, denn beim dritten Mal kann man nicht wie bei den ersten beiden documenten die Vorbereitung so improvisieren, wie wir es beidesmal tun mussten. Wir schlagen vor, umgehend, vom 1. Januar rückwirkend, ein Sekretariat und Archiv zu errichten.“ …

Zum 1. Juni 1961 ist das documenta Archiv als städtische Einrichtung gegründet worden.

Arnold Bode schwebt zeitweise vor, seinen Partner bei der documenta-Planung, den renommierten Kunsthistoriker Werner Haftmann, der 1967 zum ersten Direktor der Neuen Nationalgalerie in Berlin berufen wurde, zum Archivleiter zu machen. Die Stadt entscheidet sich aber für die Kunsthistorikerin Lucy von Weiher als Archiv-Leiterin. Erster Standort ist die Murhardsche- und Landesbibliothek, der das Archiv auch angegliedert wird.

Im selben Jahr, 1961, tritt das Land Hessen der documenta GmbH als zweiter Träger bei. An die Verknüpfung mit dem documenta Archiv ist damals wohl nicht gedacht worden. Bis heute ist das Rechtsverhältnis des documenta Archivs zum Land insofern ungeklärt, als die Akten der documenta-Leitung und –Geschäftsführung, die über die GmbH der Stadt Kassel und dem Land Hessen gemeinschaftlich gehören, eigentlich nach der Übergabe an das Archiv weiter im Gemeinschaftsbesitz sind. Wie Karin Stengel, die Leiterin des Archivs von 1993 bis 2013, erklärt, gibt es keinen Vertrag über die Übergabemodalitäten und die Besitzrechte.

1969 – 1973 ist das documenta Archiv ohne wissenschaftliche Leitung.

1973 – 1977 leitet Dr. Ela Spornitz das Archiv, das ab 1976 als eine Abteilung des Kulturamtes der Stadt Kassel geführt wird.

1978 – 1988 ist Dr. Konrad Scheurmann Archivleiter. 1981 wird das documenta Archiv aus der Murhardschen Bibliothek ausgegliedert und bezieht als neuen Standort das Kulturhaus am Ständeplatz. In dieser Zeit werden erste Schritte zur Entwicklung einer computergestützten Künstlerdatei unternommen.

1988 – 1989 ist ein Jahr lang die Leiterstelle nach dem Weggang von Scheurmann vakant. In dieser Zeit zieht das documenta Archiv in das Kulturhaus Dock 4 (heutiger Standort) um.

In den Jahren gibt es immer wieder Debatten über eine mögliche breitere Trägerschaft – entweder unter dem Dach der documenta GmbH oder unter dem Dach der Kunsthochschule. Das Land Hessen geht auf diese Vorschläge nicht ein.

1989 – 1992 leitet Dr. Hubertus Gaßner das documenta Archiv. Er startet die Herausgabe einer Bibliographie-Zeitschrift im internationalen Kontext.

1992 – 1993

Nach dem Weggang von Gassner wird das Archiv kommissarisch von Karin Stengel geleitet.

1993 – 2013

Die Kunsthistorikerin Karin Stengel steht an der Spitze des Archivs, die zuvor stellvertretende Leiterin war. Allerdings streng genommen wird die Leiterstelle nicht besetzt, Karin Stengels Position wird erst 2007 aufgestockt.

Es beginnt eine neue Ära. Zwar hat das documenta Archiv mit seinen 4,5 Stellen keinerlei Forschungskapazitäten frei, gleichwohl gelingt es, das Archiv an Forschungsvorhaben zu beteiligen. Im Zentrum steht dabei die Digitalisierung von Beständen – und zwar in der Form, dass eine gemeinsame Datenbank für Textdokumente, Bilder und Videos geschaffen werden kann.

1997

Der erste vorzeigbare Einstieg in das digitale Zeitalter ist die Herausgabe einer CD-Rom, in der die Künstler, deren documenta-Ausstellungsbeiträge und die Standorte in der Ausstellung verknüpft werden.

2000

Das documenta Archiv wird an einem internationalen Forschungsprojekt der EU („Vektor“) beteiligt. Dadurch kann das Archiv die beispielhafte Ausstellung „Wiedervorlage“ vorbereiten, in der mit Hilfe von Archiv-Materialien die documenta 5 ansatzweise rekonstruiert und deren Bedeutung dokumentiert werden kann. Zur Ausstellung (2001) erscheint ein Katalog und wird eine Tagung in der Ev. Akademie Hofgeismar organisiert.

Das Gesamtprojekt wird durch die UNESCO als „Offizieller deutscher Beitrag für das Internationale Jahr 2001 Dialog zwischen den Kulturen“ ausgezeichnet.

2003/2004

Anlässlich der Bewerbung um die Kulturhauptstadt Europas (2010) gibt die Stadt eine Broschüre heraus, in der erstmals programmatisch in schriftlicher Form die Überlegungen zu einem Arnold Bode-Zentrum niedergelegt werden. Gedacht wird an einen Neubau am Friedrichsplatz, in dem das erweiterte documenta Archiv sowie alle documenta-Institutionen bis zu einer zu gründenden documenta-Akademie sowie bis zur Stiftung „7000 Eichen“ zusammengeführt werden.

Vor dem Hintergrund der Bewerbung wird 2003 der „documenta-Tisch“ angefertigt und auf Tournee geschickt. Der elf Meter lange Tisch (jeweils ein Meter für eine documenta) ermöglicht es, durch Berührung der Oberfläche zu jeder documenta Texte und Fotos aufzurufen sowie sich die Hintergründe erläutern zu lassen. Heute steht der Tisch im documenta Archiv.

In die Zeit fällt auch das erste Pilotprojekt zur Digitalisierung der Fotobestände.

Die Datenbank European-Art.net, ein Ergebnis des EU „Vektor“-Projekts geht online. Langfristig sollen zusätzlich zu den deutschen, österreichischen und schweizerischen Datenkonvoluten auch andere europäische Gegenwartskunstarchive mit ihren Datenbeständen hinzukommen.

2005

Erneut bringt sich das documenta Archiv mit einer Ausstellung ins Gespräch: Zum 50. Geburtstag der documenta wird eine Doppelausstellung in der Kunsthalle Fridericianum gezeigt, deren dokumentarischer Teil („archive in motion“) anschließend auf eine internationale Tournee geht. Zur Ausstellung gibt es wiederum eine Tagung in Hofgeismar.

2006 – 2009

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ermöglicht das Projekt „Mediencluster documenta und Gegenwartskunst“ das eine Digitalisierung der Bestände der d1-d5 beihaltet und die Schaffung einer Datenbank für alle Medien ermöglicht.

2007 – 2011

Dank eingeworbener Spenden (auch durch das documenta forum) kann sich das documenta Archiv an dem Projekt „mediaartbase.de“ der Bundeskulturstiftung gemeinsam mit dem Dokumentar- und Videofestival beteiligen. Ziel ist es, die gefährdeten Videobänder zu digitalisieren und in Datenbanken einzufügen.

2008 – 2011

Die beschriebenen Aktivitäten tragen dazu bei, das documenta Archiv und seine Potenziale stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Die Diskussion um den Ausbau des documenta Archivs und die Schaffung eines documenta-Zentrums erhält durch die Verhandlungen über den Ankauf des Szeemann-Archivs einen neuen Schub.

Prof. Klaus Pfromm legt 2008 eine Studie vor, die für zwei Jahre die Diskussion um ein documenta-Zentrum trägt. In einer AG Stadt Land dient die Studie als Diskussionsgrundlage. Im Mai 2009 sind die Beratungen soweit gediehen, dass ein Architektenbüro eine Planungsstudie mit drei Varianten vorlegen kann. Die Studie wird positiv aufgenommen; Ende des Jahres beschließen die Stadtverordneten die im Papier beschriebenen Ziele als Programm.

Der Wechsel im Ministerium für Wissenschaft und Kunst führt aber dazu, dass das Land den Beschluss der AG Stadt Land in der Schublade verschwinden lässt.

In Kassel geht die Diskussion um ein documenta-Zentrum weiter, wobei zwei Alternativen im Spiel sind: Ausbau am bisherigen Standort Dock 4 oder Umbau der ehemaligen Bundesbank am Ständeplatz.

2011

Das documenta Archiv feiert sein 50jähriges Bestehen mit einer Festveranstaltung und Gala mit der Performance-Künstlerin Laurie Anderson im Staatstheater. Das Gastspiel, erweitert durch eine Hofgeismarer Tagung, verdeutlicht nochmals die internationale Wertschätzung des Archivs. Trotzdem gelingt es nicht, diesen Schatz in den Verhandlungen über das Szeemann-Archivs als Pfund zur Geltung zu bringen.

Der Folgeantrag „Mediencluster documenta und Gegenwartskunst“, der die abschließende Digitalisierung und Beschreibung der verschiedenen Medienbestände des documenta Archivs zur d6-d13 beinhaltet, wird für den Zeitraum 2011-14 bewilligt.

 

2012

Ein zusätzlicher Antrag bei der DFG zur „Erschließung des Altbestandes der Bibliothek des documenta Archivs“ bis 2014 wird parallel ebenfalls bewilligt.

 

2012 – 2013

Die dOCUMENTA (13) nutzt intensiv und erkennbar das documenta Archiv. Das Archiv erweist sich als eine Institution, die neben der Ausstellung von zentraler Bedeutung ist. Diese Erkenntnis trägt wesentlich dazu bei, dass das documenta Archiv in der Öffentlichkeit eine größere Wahrnehmung gewinnt. Nach Ende der dOCUMENTA (13) verschärft sich das Raumproblem. Eine räumliche Erweiterung wird zwingend.

Die Kunsthochschule unter der Leitung von Christian Philipp Müller und Joel Baumann unterstützt die Bemühungen, das documenta Archiv öffentlicher zu machen und zu stärken. Versuche, das Land mit in die Verantwortung zu ziehen, scheitern regelmäßig, da die Kunst-Ministerin sich nicht zuständig fühlt.

Eine vorsichtige Kursänderung deutet sich im Frühjahr 2013 an: In einer auf Initiative von Prof. Ludewig einberufenen Sitzung eines Runden Tisches zum documenta-Zentrum, teilen die Uni-Leitung und die Ministerin mit, dass für zwei Jahre (ab Wintersemester 2013) eine Gastprofessur zur documenta und documenta Archiv-Thematik eingerichtet werden soll. Damit ist indirekt das Land mit im Spiel. Die Gastprofessur soll Dorothea von Hantelmann erhalten.

In einer Podiumsdiskussion am 10. Mai  in der Kunsthochschule erklärt sich Eva Kühne-Hörmann bereit, am Ausbau des documenta Archivs mitzuwirken. Das könne nicht heute und morgen geschehen. Auch gehe es nicht bloß um eine erweiterte Trägerschaft, sondern um eine breite Akzeptanz und um ein tragfähiges Konzept. Sie hat auch die Ausbau-Kosten im Blick, die sie auf 40 Millionen Euro veranschlagt.

2013

Im Rahmen der 1100 Jahrfeier der Stadt Kassel werden unter dem Titel  „Harry Who?“ in der Nacht vom 21.auf 22.Juni am Blauen See im Habichtswald eine Reihe von Kurzfilmen von und über Harry Kramer, dem ehemaligen Professor der Kunsthochschule, documenta-Künstler und Initiator der Nekropole gezeigt.Veranstalter sind das documenta Archiv, die Trickfilm-Klasse der Kunsthochschule Kassel unter Leitung von Professorin Martina Bramkamp,  sowie das Sepulkralmuseum, Kassel.

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