Jour fixe am 24. Juni 2026 „Wir wollen mitgestalten“ --Ein Gespräch mit Prof. Dr. Heinz Bude über das documenta Institut

„Wir wollen mitgestalten“ – Ein Gespräch mit Prof. Dr. Heinz Bude über das documenta Institut – Rückblick auf den Jour fixe am 24. Juni 2026

Seit dem Jahr 2020 ist Prof. Dr. Heinz Bude als Gründungsdirektor mit der Aufgabe betraut, das documenta Institut als eine unabhängige, außeruniversitäre Forschungseinrichtung aufzustellen, ein Forschungsprogramm zu definieren und die Organisationsstrukturen aufzubauen.

Demnächst wird er seine Arbeit für das Institut beenden. Prof. Wilfried Sommer, der Vorsitzende des documenta forums, sprach mit ihm im Rahmen eines Jour fixe in der Karlskirche über das inzwischen Erreichte und zukünftige Ziele.

„Man kann nicht Teil dessen sein, was man beforschen soll“, stellte Bude zunächst klar und zeichnete den Weg nach, den das Institut seit seiner Gründung unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH im Jahr 2020 bis zur vollzogenen Unabhängigkeit im Mai 2025 genommen hat. Dieser Schritt, das betonte Bude, sei auch eine wichtige Voraussetzung, um Teil der Leibniz-Gemeinschaft zu werden.

„Wir wollen ein nicht nur nach hinten, sondern auch ein nach vorne denkendes Institut sein — wir wollen mitgestalten“, war eine weitere zentrale Aussage des Gründungsdirektors. Wobei sich das Forschen nicht nur auf Kunstausstellungen beziehen soll, sondern die transdisziplinäre Erforschung des Verhältnisses von Kunst, Gesellschaft und Politik umfasst. Neben den Forschungsvorhaben der drei Professuren für Ausstellungsstudien verwies Prof. Bude auf sechs Dissertationen, die inzwischen am Institut abgeschlossen wurden.

Eine der vordringlichsten Aufgabe sei es zudem, die Struktur der bisherigen Projektfinanzierung in eine institutionelle Finanzierung zu überführen. Um wie erwünscht als Leibniz-Institut aufgenommen zu werden, bedarf es eines Etats von 1,5 Millionen Euro.

Die Forschungsausstellung unter dem Titel „The China Moment“, die das documenta Institut vom 24. Januar bis 22. März 2026 im Kunstverein gezeigt hat, war ein weiteres Thema des Abends. Sie präsentierte Arbeiten von rund 30 chinesischen Künstlerinnen, Künstlern und Künstlerkollektiven seit den 1980er Jahren bis in die Gegenwart. Die Ausstellung hat gezeigt, wie mit einer neuen künstlerischen Sprache Individualität, gesellschaftliche Teilhabe und humanistische Perspektiven thematisiert werden konnten und die Kunstszene auf gesellschaftlichen Wandel reagierte. Die Forschungsausstellungen des documenta Instituts, so Bude, seien ein Partizipationsformat, vor allem aber ein spezifisches Frageformat mit der Möglichkeit, Gegenwärtigkeit forschend in den Fokus zu nehmen. Damit könnten Gleichzeitigkeiten in einer multipolaren Welt deutlich gemacht werden. „Wenn ich die Gegenwärtigkeit in den Blick nehme, erkenne ich, wie Gegenwärtigkeit selbst Kunst hervorlockt.“

Wir danken der Karlskirche für die freundliche Gastgeberschaft und die gute Bewirtung.

Petra Bohnenkamp, 24. Juni 2026