Moritz Wesseler hat als Direktor des Fridericianum außergewöhnliche Ausstellungen nach Kassel gebracht und sich als exzellenter Kunstvermittler profiliert. Oft hat er bewiesen, dass er für seine Projekte brennt.
Das wurde im Jour fixe am Dienstag, 30. Juni, erneut deutlich. Was als Rundgang durch die erste institutionelle Einzelausstellung von Peter Fischli für die Mitglieder der documenta forums geplant war, wurde später viel mehr. Die kinetischen Fischli-Skulpturen mit blinkenden Lichtern, die in ihrem Zusammenspiel wie ein Wald aus Bäumen, Ampeln oder auch Galgen wirken, könnten auf das Bestreben deuten, das Leben zu ändern, was sich aber als nicht möglich erweise, sagte er zu den Deutungsmöglichkeiten. Fischli, der eine lange, erfolgreiche künstlerische Zusammenarbeit mit David Weiss gepflegt hatte, musste sich nach dessen Tod im Jahr 2012 neu positionieren. „Heute setzt er sich kritisch mit der Ästhetik des Alltäglichen auseinander und verschiebt auf spielerische Weise die Grenzen zwischen Kunst und Leben“, schreibt Wesseler in der Einführung zur Ausstellung.
Nach diesen Erläuterungen zur aktuellen Präsentation erweiterte er das geplante Programm überraschenderweise und enthüllte den rund zwanzig anwesenden Mitgliedern des documenta forums exklusive Informationen zur kommenden Ausstellung mit Arbeiten von Charles Ray. Der Teilnehmer der documenta 9 im Jahr 1992 gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhundert. Im Fridericianum wird er mit zentralen Arbeiten zu sehen sein.
Wesseler berichtete begeisternd über die kommende Schau des amerikanischen Künstlers, den er schon seit langer Zeit umworben hatte. So erzählte er vom langwierigen Prozess der Annäherung seit 2018, als er ihn als frischgebackener Direktor des Fridericianums bereits ganz oben auf seiner Wunschliste hatte und erste Kontakte mit der Matthew Marks Gallery aufnahm, die ihn vertritt. Wie er 2020, 2021 und erneut 2023 anfragte. Wie er im März 2024 bei einem Arbeitsaufenthalt in New York den Künstler und seine Frau bei gleich mehreren Events traf. Wie er dabei ins Gespräch mit der Ehefrau kam, unter anderem über Tischtennis. Wie dann eines Tages im März 2025 in einer Mail der Galerie, in der es um ein anderes Ausstellungsprojekt ging, ganz unten mit einem Satz angemerkt war, dass Charles Ray gerne eine Ausstellung mit Wesseler realisieren würde. „Da hat man einen Freudenschrei im Fridericianum hören können.“ Inzwischen gibt es nach Besuchen in Kalifornien, wo Ray lebt, tägliche Kontakte per Mail und Telefon.
Auch eine Mappe mit Skizzen der geplanten Ausstellungstopogfafie hatte Wesseler dabei. Fotografieren streng verboten! Dazu gab es viele Details, was wo installiert sein wird sowie zu Sicherheitsarchitektur für die wertvollen Arbeiten.
Wir danken Moritz Wesseler für diesen Einblick in den Stand der Dinge und sind sehr gespannt auf die Realisierung. Die Ausstellung wird vom 22. August 2026 bis zum 3. Januar 2027 im Fridericianum zu sehen sein. Nicht vergessen: Ausstellungeröffnung ist am 21. August, 18 Uhr. Charles Ray reist zur Eröffnung an.
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So mit Informationen gesättigt, klang der Tag im Restaurant Dolce Vita mit Blick auf den Friedrichsplatz und der Frage aus, was dort im kommenden Jahr während der documenta 16 zu sehen sein wird. Alles in allem: Ein wunderbarer Sommerabend.
Petra Bohnenkamp, 30. Juni 2026














