Als das documenta archiv 1961 unter dem Dach der Stadt Kassel gegründet wurde, übernahm die Kunsthistorikerin Lucy von Weiher die Leitung. Das Archiv war ein langgehegter Wunsch von Arnold Bode,
die Besetzung mit einer Frau behagte ihm dagegen nicht – sein Kandidat war Werner Haftmann, der vertraute Mitstreiter bei den ersten drei documenta-Ausstellungen.
Dieser Rückblick auf die frühen Jahre war Teil einer Führung, zu der die heutige Archivdirektorin Dr. Birgitta Coers die Mitglieder des documenta forums eingeladen hatte. Mit rund 40 Interessierten wurde die übersichtliche Raumsituation fast gesprengt. Neben Dr. Coers brachte auch die stellvertretende Leiterin, Saskia Mattern, ihre Zeit und ihr Wissen an diesem inhaltsreichen Abend ein.
Die Schätze des documenta archivs sind umfangreich, der zur Verfügung stehende Platz jedoch begrenzt. 300 000 Bücher, Bildbände, Kataloge und weiteres Gedrucktes zu den Künsten des 20. und 21. Jahrhunderts befinden sich im Besitz des documenta archivs, 180 000 davon beherbergt es in seinen Etagen im Kulturhaus Dock 4 in der Unteren Karlsstraße. Dazu kommen Foto-, Film- und Tonaufnahmen, Briefe, Tagebücher, documenta Merchandisingprodukte, ein Pressearchiv und mehr. Das Herzstück aber sind die Materialien der documenta-Ausstellungen 1 bis 15, die viele Regalmeter füllen. Deutlich ist auf den ersten Blick, wie die Anzahl der Kartons voller archivierter Zeugnisse von documenta zu documenta zunimmt.
Das alles wird gesammelt, dokumentiert, erforscht, verwaltet und präsentiert von den 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Institution, die seit 2015 Teil der documenta und Museum Fridericianum gGmbH ist. Eine richtige Weichenstellung, so Dr. Coers, da die Forschungsarbeit zu den documenta-Ausstellungen enorm erleichtert worden sei und frühere „Paralleluniversen“ der Erschließung und Ablage nun der Vergangenheit angehören.
Die umfangreichen Bibliotheks- und Archivbestände stehen allen Interessierten offen. Doch insbesondere bei den documenta-Archivalien sind Persönlichkeits- und Urheberrechte, der Datenschutz und andere juristische Fragestellungen zu berücksichtigen. Auch dies ist ein Arbeits- und Spannungsfeld, das die Mitarbeitenden stark beschäftigt. Maßgeblich dabei ist die hessische Archivgesetzgebung.
Die im Jahr 2020 begonnene – nicht in allen Teilen unproblematische – Digitalisierung der Bestände war ein weiteres Thema des Abends. Und auch der Etatverlust seit 2025 im Rahmen von Einsparungsmaßnahem blieb nicht unerwähnt.
Studioausstellung „Zwischen den Zeilen illustrieren“
Verschiedene Vor- und Nachlässe — darunter von Arnold Bode, Bazon Brock sowie Hans Hillmann — sind dem documenta archiv anvertraut worden. Einen Querschnitt aus dem Werk des Grafikers Hillmann anlässlich seines 100. Geburtstags präsentiert das Archiv bis zum 20. Februar. Kuratiert von Sabrina Funkner sind Originalplakate, Zeichnungen, Buchillustrationen und unveröffentlichtes Material zu sehen. Kinderzeichnungen zeigen das früh vorhanden Zeichentalent, Aufzeichnungen späterer Jahre die Arbeitsweise des Künstlers und Lehrers, der eine Professor an der Kasseler Hochschule für Bildende Künste innehatte. Mit „Fliegenpapier“, der Adaption einer Kurzgeschichte von Dashiell Hammett, schuf er 1982 die erste deutsche Graphic Novel, ein heute sehr angesagtes Format.
Wir danken allen Beteiligten für den nicht nur interessanten, sondern auch unterhaltsamen Termin!
Mehr über das documenta archiv gibt es hier DOCUMENTA-ARCHIV oder bei einen Besuch.
Petra Bohnenkamp










