Der scheidende Direktor des Fridericianums Moritz Wesseler hat über Jahre einen engen Kontakt zum documenta forum gepflegt, war dreimal Gast eines Jour fixe und hat die Mitglieder bisher fünfmal durch Ausstellungen seines Hauses geführt.
Zuletzt ging es am 27. Oktober um die Arbeiten des amerikanischen Künstlers Charles Ray, um den sich Wesseler lange Zeit intensiv bemüht hatte. Es ist sein großer Wunsch gewesen, die Ausstellung nach Kassel zu holen. Intensiv und gespickt mit Detailinformationen fiel daher der Rundgang aus, zu dem über 30 Mitglieder des df gekommen waren.
Persönliche Anekdoten über Charles Ray
Nicht allein über die Kunstwerke konnte Wesseler fachkundig referieren, sondern auch über den Künstler selbst berichten, mit dem sich in der Zeit der Vorbereitung der Ausstellung eine Freundschaft entwickelt hat. Aufhorchen ließ etwa, dass Ray, nachdem er ein umfangreiches Sortiment an Mal- und Zeichenstiften sowie Materialien für rund 400 Euro in einem Kasseler Geschäft erstanden hatte, Bilder in Postkartenformat fertigte, die er unter die im Foyer zum Verkauf stehenden Postkarten mischte. Glücklich ist, wer ein Original von Ray zufällig gefunden hat. Einen Bezug zur documenta 9 im Jahr 1992 stellte dagegen der Kauf von neuen Schuhen her, weil die Stiefel des Künstlers auf der Reise von Los Angeles nach Kassel verloren gegangen waren. Ray aber wollte sich die Stadt, die ihm 1992 als Teilnehmer der documenta viel gegeben hatte, mit gutem Schuhwerk erlaufen.
Kunsthistorische Perspektiven und Herstellungstechniken
Auch wer zuvor schon an der Eröffnung oder anderen Führungen teilgenommen hatte, wurde an diesem Abend mit interessanten Perspektiven auf die Arbeiten versorgt. An den verschiedenen Skulpturen sei erkennbar, so Wesseler, dass Ray sowohl kunsthistorische als auch kulturelle Dimensionen anspricht, religiöse und wissenschaftliche Themen aufgreift. Wichtig sei auch die Einbettung der einzelnen Kunstwerke in den Raum und ihre Beziehung zueinander. Moritz ging zudem auf die unterschiedlichen Herstellungstechniken Rays ein, dessen Arbeiten sowohl handwerklich als auch mit technischen Hilfsmitteln, wie etwa Robotern, entstehen.
Ein Abschied mit Fortsetzung
Es sollte eigentlich die letzte von Moritz Wesseler geleitete Ausstellungsführung für das df sein. Doch am Ende des Abends war klar: Auch am 3. Dezember, beim Gang durch die von Mohammed Sami bespielten Räume, wird Moritz Wesseler neben der Kuratorin Luise von Nobbe dabei sein. Für die großartige Zusammenarbeit dankte der df-Vorsitzende Wilfried Sommer beim Ausklang des Abends im Restaurant Dolce Vita in einer kurzen Ansprache schon jetzt.
Text: Horst Schween und Petra Bohnenkamp
Fotos: Horst Schween








