Der Vorstand
1. Vorsitzender
Dirk Schwarze
+
2. Vorsitzende
Juliane Sattler-Iffert
+
Schatzmeister
Horst Schween
+
Schriftführer und Öffentlichkeitsarbeit
Volker Schäfer
Beisitzer
Michael Lazar
Lutz Freyer
+
Vorstand der Vergangenheit
2005 – 2007
Prof. Dr. Hans Brinckmann
1995 – 2005
Dr. Harald Kimpel 1990 – 2005
1985 – 1995
Prof. Dr. Hansjörg Melchior
Bericht des Vorsitzenden vom 24. 11. 2010 bis 22. 11. 2011
Das zu Ende gehende Jahr stand ganz im Zeichen der vergeblichen Bemühungen, das Szeemann-Archiv nach Kassel zu holen. Anfang Juni mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Getty Institut den Vorzug erhielt. Mit entscheidend für den Erfolg der Amerikaner war, dass sie nicht (wie hier manche Gremien und Personen) den Zustand des Archivs schlecht redeten und dass sie ein überzeugendes Konzept für die baldige Erschließung des Archivs vorlegen konnten. Als wir im Januar bei uns Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen zu Gast hatten, bestand noch ein gewisser Grund zum Optimismus. Doch im Frühjahr verschlechterte sich Kassels Position, bis dann die Entscheidung für Getty fiel.
Obwohl Frau Lüscher mehrfach glaubhaft versichert hatte, dass sie das documenta Archiv für den Verbleib des Szeemann-Archivs vorziehen würde, haben im Lauf der Zeit zahlreiche Faktoren dazu beigetragen, die Kasseler Chancen zu schmälern. Erst verhielt sich die Stadt (auch bei der Einschaltung der Länder-Kulturstiftung) zu zögerlich, dann versuchte das Land, den Ankaufspreis unverhältnismäßig zu drücken und den Zustand des Szeemann-Archivs schlecht zu reden, und schließlich ließ das Land ab Ende 2009 keine Bereitschaft mehr erkennen, sich am notwendigen Ausbau des documenta Archivs und an der Erschließung des Szeemann-Archivs zu beteiligen. Allein (ohne das Land) aber hätte die Stadt die Erschließung nicht bewältigen können.
Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Verkaufs an Getty habe ich gleichlautende Briefe an Ministerin Kühne-Hörmann und Oberbürgermeister Hilgen mit der Bitte geschrieben, gemeinsam an dem Ausbau des documenta Archivs mitzuwirken und die jeweiligen Ankaufssummen in Höhe von einer Million Euro dafür einzusetzen. Beide haben zwar nicht konkret, aber wohlwollend darauf reagiert.
Eine Chronik der Ereignisse finden Sie unter dem Stichwort Harald Szeemann auf der Homepage des documenta forums.
Immer wieder beschäftigte uns der Raum im Zwehrenturm. Zum wiederholten Male müssen wir Herrn Brinckmann dafür danken, dass durch alle Schwierigkeiten hindurch das Projekt voran getrieben und die Bedenken des Brandschutzes berücksichtigt werden konnten. Im Spätsommer/Herbst ist der Raum mit Sitzgelegenheiten und kleinen Tischen ausgestattet worden. Er sieht sehr edel aus, ist aber wirklich nur für kleine Gruppen angelegt. In der Mitte wurde ein Teppich eingepasst, der das Oktogonale des Raums betont. Jetzt müssen noch die neuen Lampen installiert und die Bild-Text-Tafeln fertiggestellt werden.
Der Laser zum Herkules mit seinem gespaltenen Strahl hatte lange Sorgen bereitet. Ebenso hatte es Probleme beim Betrieb des Lasers vom Turm des Landesmuseums gegeben. Herr Lauschmann aber hat die Probleme immer wieder in den Griff bekommen. Zweimal mussten wir den Orangerie-Laser samstags abschalten, weil der Strahl genau auf die Tribüne der Grimm-Festspiele traf, und einmal den Laser vom Zwehrenturm zum Herkules, weil der Strahl auf das Riesenrad auf dem Friedrichsplatz traf. Kurzzeitig hatte Horst Baumann gehofft, bei der nächsten documenta dabei sein zu können. Doch die Hoffnung zerschlug sich. Seine Bemühungen um eine Laser-Installation zum Brocken können wir nicht fördern. Baumann mahnte die Einrichtung eines roten Lasers in Kassel an. Herr Lauschmann meinte dazu, der rote Laser, so wie er angeboten werde, sei für die Wahrnehmung zu schwach und zu teuer. Er plädiert eher dafür, zusätzlich einen blauen Laser zu installieren. Das muss natürlich mit Blick auf die Kassenlage diskutiert werden. Herr Lauschmann ist bereit, wenn er beruflich mehr Luft hat, uns das Konzept im Frühjahr zu erläutern.
Wiederholt haben wir uns mit den Vorschlägen der Arbeitsgruppe zur Beschilderung der documenta-Außenkunstwerke beschäftigt. Die Arbeitsgruppe hat überzeugende Vorschläge erarbeitet. Gleichwohl gehen oft die Meinungen auseinander, wie dezent und doch erkennbar die Schilder angebracht werden können. Der Vorstand hat sich dafür ausgesprochen, das Konzept mit den erarbeiteten Bildbeispielen präsentationsreif zu machen und der Stadt zur Diskussion vorzulegen. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob und wie ein digitaler Führer zu den Außenkunstwerken geschaffen werden kann.
Die Museumsnacht 2011, die wir wiederum in Kooperation mit dem documenta Archiv und der Stiftung 7000 Eichen gestalteten, war ein voller Erfolg. Dadurch, dass die drei Kabinette von den Museen bespielt wurden, unten das Bistro geöffnet war und der Kinosaal im Untergeschoss mit einem üppigen Programm aufwartete, war der Publikumszulauf so groß wie nie zuvor. Man kann sagen: Alle haben unsern Stand gesehen. Gut besucht war auch der Ai Weiwei-Film „Fairytale“, den wir auf Anregung von Frau Debus zeigten. Ausschnitte daraus haben wir uns auch bei einem Jour fixe angesehen.
Ende vorigen Jahres erläuterten Heiner Georgsdorf und Harald Kimpel das von Arnold Bode entwickelte Oktogon-Projekt. Georgsdorf hatte vorgeschlagen, das Projekt zum Stadtjubiläum zu realisieren. Da das Innere des Oktogons aber bis dahin nicht saniert ist, wurde der Vorschlag zu dem Termin hinfällig.
Wir haben uns auch wiederholt mit dem Stand der Vorbereitungen zur nächsten documenta befasst. In einer Sitzung stellte uns Katrin Sauerländer das Projekt der 100 Notebooks vor. Bei der Sitzung war auch Horst Hoheisel anwesend, dessen Aschrottbrunnen jetzt nachträglich zu documenta-Ehren kommt.
Ende Mai feierte das documenta Archiv sein 50jähriges Bestehen. Die Aktivitäten zu dem Jubiläum, insbesondere die Performance von Laurie Anderson konnten wir durch die Einwerbung von Spenden und Zuschüssen in Höhe von 23000 Euro finanzieren helfen. Weitere 1500 Euro konnten wir zum Ankauf von vier Arnold Bode-Zeichnungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs einwerben.
Ich möchte nochmals alle Mitglieder herzlich bitten, im Freundes- und Bekanntenkreis für den Beitritt zum documenta forum zu werben. Unsere Wortmeldungen werden gehört und ernst genommen. Doch eine noch breitere Basis wäre wünschenswert. Immerhin ist das documenta forum – wenn auch nur langsam – gewachsen. Unter Arnold Bode startete der Verein 1972 mit 17 Mitgliedern, von denen noch vier dabei sind. 1998 waren es 44 Mitglieder (von denen noch 16 eingeschrieben sind). 2008 waren es 58 Mitglieder, und heute sind es 69.
Dirk Schwarze 22. 11. 2011
Bericht des Vorsitzenden für die Zeit vom 27. 10. 2009 bis 23. 11. 2010
Die drei zentralen Themen des Vorjahres haben uns auch 2010 beschäftigt:
1) Die Frage, ob es gelingt, das Szeemann-Archiv für Kassel anzukaufen und damit die Grundlage für den Ausbau des documenta Archivs zu schaffen.
2) Der Abschluss der Laser-Installation und die Beseitigung der Brandschutz-Hemmnisse zur gelegentlichen Nutzung des Turmzimmers.
3) Die Entwicklung eines Konzepts zur Kennzeichnung der documenta-Außenkunstwerke.Zu 1) Die Entwicklung der Verhandlungen zum Erwerb des Szeemann-Archivs war alles andere als ermutigend. Vor allem erschien es zeitweise so, als ob unser Kernziel, das documenta Archiv personell und räumlich auszubauen und auf eine breitere Trägerschaft zu stellen, völlig aussichtslos geworden sei. Besonders problematisch schien die Angelegenheit deshalb zu sein, weil das Land, die Stadt und die Länder-Kultur-Stiftung unterschiedliche Strategien verfolgten.
Unser Versuch, zur Klärung beizutragen, indem wir zum 1. Juni Kunst-Ministerin Eva Kühne-Hörmann ins documenta forum einluden, erwies sich nicht als sehr erfolgreich. Zwar entwickelte sich mit ihr ein Gespräch, das von vielen Teilnehmern als gut bis erfreulich eingestuft wurde, doch führte es in der Sache nicht weiter. Insbesondere der von der Ministerin gemachte Vorschlag, das documenta forum möge Anregungen für ein Symposium zu dem Themenkomplex geben, wirkte angesichts der Tatsache, dass im Sommer die Bemühungen um das Szeemann-Archiv zu scheitern drohten, nicht gerade reizvoll.
Im Juli schrieb ich im Namen des forums einen gleichlautenden Brief an die Ministerin, an Oberbürgermeister Bertram Hilgen und an den damals noch amtierenden Ministerpräsidenten Koch, in dem ich auf der Grundlage der uns zugegangenen Informationen die Lage skizzierte, unsere Sorge um die Zukunft des documenta Archivs ausdrückte und um ein gemeinsames Handeln bat.
Antworten auf das Schreiben erhielten wir nicht. Wir erfuhren lediglich, dass im Ministerium besorgt gefragt wurde, woher wir unseren Kenntnisstand bezogen hatten. Auch wurde ein Erinnerungsschreiben nicht beantwortet. Trotzdem kam etwas Bewegung in die Sache: Der Oberbürgermeister sagte zu, zu einem Gespräch ins documenta forum am 11. Januar kommen will. Und am Rande der Kulturpreisverleihung in Wiesbaden meinte die Ministerin, sie würde uns sofort informieren, wenn sich in Sachen Szeemann-Archiv etwas tue. Zwei wichtige Hinweise gab sie bei dem Gespräch. Immerhin scheinen jetzt Land und Stadt gemeinsam zu handeln. So verbuchte die Ministerin Hilgens Gespräch mit Ingeborg Lüschers neuem Anwalt in Berlin, Peter Raue, als gemeinsame Aktion. Außerdem sagte sie, dass im Falle eines Ankaufs (je ein Drittel Stadt, Land, Länder-Kultur-Stiftung) das Land bei der Erschließung und Unterbringung des Archivs wohl mit in der Pflicht sei. Allerdings habe ich den Eindruck, dass Frau Kühne-Hörmann noch in diesem Monat eine Entscheidung erzwingen will.Zu 2) Die endgültige Installation des Lasers hat sehr viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als gedacht war. Der neue stärkere Laser (vom Zwehrenturm zum Herkules) ist jetzt im Stadtbild deutlich präsenter. Vor einiger Zeit konnte auch der Strahl, der vom Zwehrenturm über den Turm des Landesmuseums zum Herkules geht, geschaltet werden. Die Kooperation mit der Museumslandschaft Hessen Kassel (mhk) war in dieser Sache erfreulich.
Sehr viel schwieriger und aufwändiger gestalteten sich Hans Brinckmanns Bemühungen, die Hindernisse zu beseitigen, die aus Brandschutzgründung einer gelegentlichen Nutzung des Laser-Raumes entgegen stehen. Nachdem sich bei einem Probelauf doch erwiesen hatte, dass der Balkon vor dem Laser-Raum mit einer Feuerwehrleiter zu erreichen ist, entfiel der Zwang zu umfangreichen und kaum bezahlbaren Investitionen. Die mehr als einjährige Verzögerung bei der Klärung des Brandschutzes führte aber dazu, dass die von SMA für den Raum bestellten Möbel anderweitig verwandt wurden.Zu 3): Die Arbeitsgruppe, die sich um die Kennzeichnung der documenta-Außenkunstwerke kümmert, hat ein Konzept entwickelt, das eine einheitliche Form – mit auf den Ort abgestimmten Variationsmöglichkeiten vorsieht. Mit diesem Konzept können wir jetzt an die Stadt und die mhk herangehen. Ein erster Kontakt zu Hans-Bernhard Nordhoff als Berater des OB in Kulturfragen ist hergestellt. Erst wenn das Konzept formal genehmigt ist, macht es Sinn, für die Finanzierung einen Plan zu entwickeln.
Für die Museumsnacht 2009 hatten wir in Zusammenarbeit mit dem documenta Archiv mit Blick auf die Bemühungen um das Szeemann-Archiv ein anspruchsvolles Programm entwickelt. Die Resonanz war allerdings enttäuschend. In diesem Jahr waren wir mit unserem Angebot in den Südflügel des Kulturbahnhofs umgezogen. Zwar mussten wir für den Raum und die Bereitstellung der Technik zahlen, doch übertraf die Resonanz alle Erwartungen. Rund 1000 Besucher sahen die Vorführung des Videos „Der Lauf der Dinge“ von Fischli/Weiss (documenta 8). So macht es Sinn, für 2011 über ein vergleichbares Angebot nachzudenken.
Im nächsten Jahr feiert das documenta Archiv sein 50jähriges Bestehen mit einem Auftritt von Laurie Anderson im Staatstheater und einer begleitenden Tagung in der Evangelischen Akademie Hofgeismar. Auch soll eine Publikation zur Geschichte des Archivs erscheinen. Wie immer gibt es dabei Finanzierungsprobleme. Immerhin konnte ich im Namen des documenta forums eine Privatspende in Höhe von 15000 Euro einwerben.
Bewährt hat sich unsere Entscheidung, an den Gesprächen des Runden Tisches der Kulturvereine teilzunehmen. So ist unser kleiner, aber doch sehr wirksamer Verein innerhalb der Kulturgesellschaften eine feste Adresse. Erfreulich ist, dass wir mit derzeit 65 Mitgliedern einen leichten Zuwachs verzeichnen können. Angesichts der Themen, die wir uns vorgenommen haben, wäre es schön, wenn Sie im Bekannten- und Freundeskreis weitere und vor allem auch jüngere Mitglieder finden könnten.
Dirk Schwarze 23. 11. 2010
Bericht des Vorsitzenden für die Zeit vom 12. 11. 2008 bis 27. 10. 2009
Wieder mussten wir innerhalb eines Jahres von zwei langjährigen und engagierten Mitgliedern Abschied nehmen. Wilfried Gerke starb überraschend während einer Reise. Er hatte bis zuletzt in der Arbeitsgruppe, die sich um die Kennzeichnung der documenta-Außenkunstwerke bemüht, mitgewirkt. Anfang des Jahres war nach langer schwerer Krankheit Klaus Pfromm gestorben. Sein Vermächtnis ist die Planungsstudie zum Ausbau eines Bode- oder documenta-Zentrums. Bis wenige Tage vor seiner Einweisung ins Krankenhaus hatte er an dem Konzept gearbeitet. Den Erfolg, dass die Stadt und das Land die in der Studie niedergelegten Ideen zur Grundlage ihrer weiteren Planungsüberlegungen gemacht haben, konnte er nicht mehr erleben. Beiden werden wir ein ehrendes Andenken bewahren.
Lassen Sie mich gleich bei den Plänen, das Dock 4 zu einem documenta-Zentrum auszubauen, bleiben. Die vom Land und der Stadt gemeinsam getragene AG doc arbeitete im Frühjahr sehr aktiv. Zweimal wurde ich als Sprecher des documenta forums hinzugezogen. Es wurde auch ein Architekturbüro beauftragt, das Alternativlösungen vorstellte. Doch nachdem sich die AG für einen Entwurf entschieden hatte, kehrte eine beängstigende Stille ein. Dass nichts mehr passiert ist, hängt wohl auch damit zusammen, dass Spannungen zwischen dem Land und der Stadt bestehen.
Zentraler Diskussionspunkt im documenta forum waren die Bemühungen um den Ankauf des Szeemann-Archivs. Es war nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, weil sich viele Seiten – aus unterschiedlichen Gründen – einschalteten. Mit einiger Befriedigung können wir sagen, dass unser Engagement für das Projekt – zweitweise in Zusammenarbeit mit anderen Kulturvereinigungen – dazu beigetragen hat, dass jetzt die Ankaufsbemühungen auf einem ordentlichen Weg sind.
Schwierig war die Situation im Frühjahr deshalb, weil die Stadt zwar eine Million Euro zum Ankauf bereitgestellt hatte, bis zum April aber kein ordentlicher Antrag zur Unterstützung bei der Länder-Kultur-Stiftung vorlag. Nachdem Generalsekretärin Pfeiffer-Poensgen dies mir am Rande eines Treffens mitgeteilt hatte, konnte ich in einer vom Kulturdezernenten einberufenen Sitzung zum Szeemann-Archiv dies in Form einer Beschwerde vortragen. Um Frau Pfeiffer-Poensgen das breite Interesse der Kulturszene in Kassel am Szeemann-Archiv zu dokumentieren und ihr Wohlwollen zu sichern, schrieb ich im Namen des documenta forums ein zweites Mal an sie. Glücklicherweise hat sie sich in Geduld geübt und ist offenbar bereit, in Sachen Szeemann-Archiv als Verhandlungsführerin aufzutreten. Auch ist wohl der formelle Antrag der Stadt auf dem Weg.
Dieser mühsame und schleppende Prozess offenbarte, dass wir im documenta forum auf der Überholspur waren, während die Akteure von Stadt und Land noch gar nicht gestartet waren. So haben wir die von Helmut Plate entwickelte Idee, eine Künstlerstiftungs-Aktion zugunsten des Szeemann-Archivs zu planen, erst einmal zurückgestellt. Da wir nicht zum Ankauf beitragen wollen, sondern zur Erschließung des Archivs (Stiftungsprofessur?) müssen wir erst einmal warten, bis der Ankaufsprozess im Wesentlichen gesichert ist.
Als ich vor zwei Jahren von Hans Brinckmann den Vorsitz übernahm, sagte er mir, dass er die Abwicklung des Laserprojektes noch betreuen wolle. Beide waren wir davon ausgegangen, dass das eine Sache von Wochen oder Monaten sei. Doch wir täuschten uns. Durch die Laser-Probleme ist Hans Brinckmann nach wie vor aktiv wie ein Vorstandsmitglied. Dafür verdient er unseren herzlichen Dank.
Zwei Themenfelder gibt es dabei.
1. Die Lasertechnik selbst: Während der Orangerie-Laser, der anfangs viele Probleme bereitete, mittlerweile zuverlässig funktioniert, gab es beim Laser Richtung Herkules Leistungsabfall und Sichtbarkeitsprobleme. Inzwischen ist der Laserstrahl vom Zwehrenturm zum Herkules (ohne Abspaltung zur Orangerie) deutlich besser sichtbar. Doch dieser Zustand ist nur eine Übergangslösung: In Abstimmung mit dem Vorstand hat Hans Brinckmann mit Herrn Lauschmann und der Firma Sollinger folgendes besprochen. Für die Projektion Zwehrenturm-Herkules kaufen wir aus dem Laser-Vermögen für 30 000 Euro einen 16-Watt-Laser (statt fünf Watt). Der derzeitige Laser, der ein Ersatz ist für unsere ursprüngliche, zeitweise defekte Anlage, kommt auf den Turm Landesmuseum, um ebenfalls in Richtung Herkules einen Strahl auszusenden. Und unter alter, reparierter Laser wird uns von Sollinger kostenlos, aber ohne Garantie für eine Projektion Zwehrenturm-Orangerie überlassen.
2. Der Laser-Raum im Zwehrenturm: Wir standen in diesem Jahr kurz davor, dank der Vorleistungen von SMA den Raum im Zwehrenturm als gelegentlichen Treffpunkt einzurichten. Dann wurden alle Bemühungen zurückgeworfen, weil der Brandschutz den Raum als Treffpunkt nicht freigeben will, weil es außer der schmalen Treppe keinen zweiten Fluchtweg gibt, denn das Turmzimmer und sein Balkon können mit der Feuerwehrleiter nicht erreicht werden, und eine fest installierte Außentreppe ist aus Denkmalschutzgründen nicht denkbar. Mehrfach hatte Hans Brinckmann deswegen Kontakt mit Brandschutzexperten. Eine Ausweglösung wäre, wenn die Türen in dem entsprechenden Bereich durch Brandschutztüren ersetzt und eine Sicherheits-Überdrucklüftung (Süla) installiert würden. Welche Kosten dadurch entstehen würden, muss noch geprüft werden.Kulturpolitisch hatten wir uns engagiert, als wir im Januar zusammen mit anderen Kulturinitiativen eine Diskussion mit den Landtagskandidaten im Hörsaal des Landesmuseums organisierten. Gespannt sind wir auf die Weiterentwicklung der Kulturpolitik in der Stadt, nachdem feststeht, dass das zuständige Dezernat ins Büro des Oberbürgermeisters umzieht. Der OB hat mich als Sprecher des documenta forums für Mitte November zu einem Gespräch eingeladen.
Spannend ist auch, wie sich die Museumslandschaft Hessen Kassel – insbesondere mit Blick auf die Moderne – weiterentwickelt. Ich bin froh, dass wir im September den neuen Direktor, Prof. Dr. Bernd Küster zu Gast hatten. Auch wenn manches noch undeutlich blieb, wurde klar, dass wir mit ihm im Blick auf die Neue Galerie und die Nutzung des Fridericianums viel Diskussionsstoff haben werden.Dank der Zusammenarbeit mit dem documenta Archiv konnten wir zur Museumsnacht ein inhaltlich gutes Programm bieten. Wir konnten drei Szeemann-Filme präsentieren, darunter das Interview zur documenta 5, sowie kurze Amateurfilme zur documenta 3 bis 8. Außerdem hatte Miki Lazar hervorragende Poster für unseren Stand produziert. Das Publikumsinteresse aber war mäßig. Viele konnten mit dem Namen Szeemann kaum etwas anfangen, und andere fanden die Amateurfilme nur dann interessant, wenn Stadtansichten ins Bild kamen. Kurz, der Aufwand stand in keinem Verhältnis zur Resonanz. Da auch aus dem documenta forum nur mit Mühe Mitglieder zu gewinnen waren, die in der documenta-Halle Präsenz zeigen wollten, ist zu fragen: Beteiligen wir uns weiter an der Museumsnacht? Und wenn ja – in welcher Form und an welchem Standort?
Die Arbeitsgruppe, die sich mit der Frage der Beschilderung der documenta-Außenkunstwerke beschäftigt, hat mehrfach getagt und Entwürfe erstellt. Ich freue mich, dass heute ein Prototyp vorgestellt werden kann.
Jetzt noch zwei andere erfreuliche Dinge:
Das groß angelegte Digitalisierungsprojekt „mediaartbase“, das von der Bundeskulturstiftung gefördert wird und für das wir voriges Jahr 25000 Euro einwerben konnten, macht Fortschritte. Bei der Umsetzung des Projektes hat Karin Stengel auch einige schöne Funde machen können. Die Funde sowie Zwischenergebnisse werden im Zusammenhang mit der Dokumentarfilm- und Videofestival präsentiert. Sie alle sind herzlich dazu am 11. November, 17 Uhr, im Bali eingeladen.Noch in einem weiteren Fall konnten wir dem documenta Archiv helfen: Frau Stengel wurde ein Video-Filmset (auf DVD) von 58 Werkhandlungen (Performances) sowie eine dreiteilige Video-Werkbiographie und eine vierteilige Werkedition von dem Künstler Franz Erhard Walther, die vier mal an der documenta beteiligt war, für 5350 Euro angeboten. Wir können diese wichtige Werk- und Performance-Dokumentation für das documenta Archiv ankaufen, nachdem sich HNA-Verleger Dr. Dirk Ippen und die Kasseler Sparkasse (Herr Mehlich und Herr Krath) bereit erklärt hatten, die Finanzierung zu übernehmen. Zur offiziellen Übergabe, wahrscheinlich am 26. November, 15 Uhr, im documenta Archiv erwarten wir auch den Künstler.
Bericht des Vorstandes für die Zeit vom 23. 10. 2007 bis 11. 11. 2008
Im Herbst dieses Jahres sind zwei langjährige Mitglieder und gute Freunde gestorben – Maarten Thiel, der einer unserer Rechnungsprüfer war, und Walter Spötter, der zu den Mitbegründern des forums gehörte und über viele Jahre im Vorstand mitwirkte. Wir werden Ihnen ein ehrendes Andenken bewahren.
Die Zeit seit der vorigen Mitgliederversammlung war ereignisreich.
Der für die Öffentlichkeit wichtigste Termin war der Neustart des Lasers am 16. 11. 2008, die wir mit großem Zuspruch als eine gelungene „Eigentümerversammlung“ im AOK-Treppenhaus auf drei Ebenen feiern konnten.
Bei dieser Gelegenheit konnten wir zwölf neue Mitglieder gewinnen: Karin Große-Mohr und Ulrich Große, Renate Klipper und Dr. Martin Hoppe-Klipper, Angela Landgrebe, Michael Oelemann, Dr. Klaus Ostermann, Uschi und Rainer Rübel, Kerstin und Dr. Uwe Thon und Matthias Wilke/Purzet. Später konnten wir noch Rein Wolfs, Hans Eichel und Udo Corts als Mitglieder gewinnen, so dass wir die 60er-Marke erreichten. Ausgetreten ist im Laufe dieses Jahres Thomas Wessel. Es wäre schön, wenn die Öffnung des documenta forums weiterginge und wir zusätzliche neue Mitglieder gewinnen könnten, um unseren Aktionen und Argumenten noch mehr Gewicht zu verleihen. Auch brauchen wir mehr Mitglieder, die gelegentlich – wie bei der Museumsnacht – aktiv unterstützen.Die Laser-Installation beschäftigte uns mehr als uns lieb war. Hier gilt der besondere Dank Hans Brinckmann, der immer wieder aktiv werden musste, weil zahlreiche Probleme zu lösen waren. Erst hatte es gedauert, bis die Projektion stabil war, dann traten im Laufe dieses Jahres immer wieder Störungen am Laser auf dem Orangerie-Dach auf und schließlich hatte der Laser im Zwehrenturm einen so starken Leistungsabfall, dass das Gerät ausgebaut und in Berlin überprüft werden musste. Rechtzeitig zur Museumsnacht konnte der Orangerie-Laser neu installiert werden. Der Laser im Zwehrenturm blieb allerdings in seiner Leistung unbefriedigend. Deshalb wurden nde Oktober mit Herrn Lauschmann und dem Team Sollinger verschiedene Laser-Typen ausprobiert. Die überzeugendste Projektion bescherte der stärkste Laser mit einer 10-Watt-Leistung.
Außerdem kümmerten sich Hans Brinckmann und Klaus Pfromm um die Herrichtung des Laser-Raumes im Zwehrenturm: Die alten Gerätschaften sind raus, der Fußboden ist wiederhergestellt, und ein neuer Anstrich sowie ein Teppichboden geben dem Raum ein einladendes Aussehen. Die Firma SMA, die gelegentlich Kunden dort hinführen will, hat sich bereit erklärt, bei der Möblierung zu helfen. Sobald dies erledigt ist, können wir auch mal zum Jour fixe in den Zwehrenturm einladen.
Im Zentrum unserer Aktivitäten standen kulturpolitische Beratungen, Erklärungen und Konzepte im Zusammenhang mit dem Masterplan der Stadt und der erklärten Absicht, das documenta Archiv in die documenta-Halle zu verlagern und das Dock 4 für die Freie Szene freizuhalten.
In einem Brief, den der erweiterte Vorstand mit Hans Eichel erarbeitete, wurden der documenta-Aufsichtsrat und der Kulturdezernent auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, dass die documenta 13 zusätzliche Räume und Flächen braucht und dass dafür rechtzeitig zusätzliche Gelder bereit gestellt werden müssten. Der Brief führte eine Fülle von räumlichen Alternativen (ohne Festlegung) auf und warnte nachdrücklich davor, die documenta-Halle als documenta-Spielort preiszugeben.
Die Vorstellung des städtischen Masterplanes am 19. März forderte unsere deutliche Kritik heraus, da die documenta und die Kunst der Gegenwart in der Vorstellung nicht auftauchten, weiterhin die documenta-Halle als Archivgebäude eingeplant wurde und die documenta-Büroräume im Dock 4 nur als Provisorien bezeichnet wurden. Wir veröffentlichten dazu eine ausführliche Presseerklärung und formulierten eine ausführliche Stellungnahme, die der OB als Aufsichtsratsvorsitzender und der Kulturdezernent erhilten.
Oberbürgermeister Hilgen signalisierte in einem Antwortbrief Verständnis für unsere Forderungen, und Bürgermeister Junge lud mich zu einem vertraulichen Gespräch, in dem ebenfalls ein gewisses Entgegenkommen zu spüren war.
Klaus Pfromm, der sehr intensiv an allen diesen Beratungen teilgenommen hatte, arbeitete unsere Stellungnahme auf der Grundlage früherer Konzeptpapiere weiter aus und entwickelte eine Fortschreibung des Konzepts für ein Bode-Centrum. Beflügelt wurden die Ideen durch die Tatsache, dass das Lagergebäude Untere Karlsstraße 14 als Objekt zum Kauf oder zur Anmietung angeboten wurde. Pfromm zeigte auf, dass das Gebäude als Ort der Freien Szene nutzbar sei und das das Dock 4 zum Kern eines Bode-Centrums werden könne. Im Sommer war das Papier so weit gediehen, dass wir es als Konzept dem OB und dem Kulturdezernenten präsentieren konnten.
Die Initiative war von Erfolg gekrönt: Kulturdezernent Thomas-Erik Junge kam zusammen mit seiner Amtsleiterin Dorothee Rhiemeier ins documenta forum, um mit uns über die in dem Konzept enthaltenen Ideen zu diskutieren, die HNA stellte am 10. Oktober das Konzept ausführlich vor und Junge nannte die Vorstellungen „eine einmalige Chance“. Allerdings meinte der Kulturdezernent, das Konzept stamme nicht vom documenta forum. Nichtsdestotrotz buchen wir die Propagierung des Konzepts als einen erfolg, zumal das Kulturamt vorige Woche bekannt gab, dass drei Architektenbüros dazu eine Machbarkeitsstudie vorlegen sollten.
Morgen (12. 11., 17 Uhr) gibt es im Bali innerhalb des Dokumentar- und Videofestivals eine Präsentation des Projektes „mediaartbase“. Das von der Bundeskulturstiftung ideell und finanziell angestoßene Projekt dient der Digitalisierung der in ihrem bestand gefährdeten Kunst- und Künstlervideos. Das documenta Archiv ist in Kooperation mit dem Dokfest in das Projekt eingebunden. Wir konnten dazu beitragen, die Finanzierung zu sichern, indem wir 25.000 Euro einwarben.
Außerdem unterstützen wir das documenta Archiv in seinen Bemühungen, das Szeemann-Archiv nach Kassel zu holen. Wir machten uns unter anderem in einem Brief an die Kulturstiftung der Länder dafür stark und richteten entsprechende Appelle an die Stadtspitze. Heute Mittag hatten wir mit dem KulturNetz, dem Kunstverein, der Kunsthalle, der Kunsthochschule, der Stiftung 7000 Eichen, dem Kulturausschuss des Rotary-Clubs, dem Kulturforum der Sozialdemokratie und dem Glas der Vernunft zu einer Pressekonferenz eingeladen, um den Bestrebungen öffentlichen Nachdruck zu verleihen.
Nahezu derselbe Kreis, der die Pressekonferenz gab, unterschrieb auch einen Offenen Brief an Museumsdirektor Dr. Eissenhauer. Seine wiederholten Warnungen vor der „elektronischen Kunst“ machten uns Sorge, ob die Neue Galerie ihrer künftigen Rolle als Museum der Moderne und der documenta-Kunst gerecht werden könne.
Unsere Beteiligung an der Museumsnacht kann als erfolgreich bewertet werden. Helmut Plate und Miki Lazar hatten einen neuen attraktiven Flyer und ein großartiges Banner gestaltet, damit wir unseren Informationsstand in der documenta-Halle gut ausstatten konnten. Und unsere Bilderaktion „Wir waren dabei“ – Präsentation der documenta-Fotos und –Videos – fand großen Zuspruch.
Die Neugestaltung unserer Internetseite ist in Angriff genommen worden. Allerdings sind wir wegen der anderen Aktivitäten noch nicht so weit, wie wir uns vorgenommen hatten. Das wird eine vorrangige Aufgabe für das kommende Jahr. Ebenfalls aufschieben mussten wir die Bemühungen um ein Konzept für die Beschilderung der documenta-Außenkunstwerke. Auch daran müssen wir kommendes Jahr arbeiten.