Blog des documenta forums

Symposium im Deutschen Historischen Museum: “documenta. Geschichte / Kunst / Politik”

Das Deutsche Historische Museum lud am 15. Oktober 2019 zur Fortsetzung der Reihe Historische Urteilskraft ein. Die erste Veranstaltung diskutierte 2018 unter dem Titel „Die Säule von Cape Cross. Koloniale Objekte und historische Gerechtigkeit“ den Umgang mit diesem umstrittenen kolonialen Objekt in der Dauerausstellung des Museums mit Expertinnen und Experten aus Afrika und Europa.

Das Symposium im Oktober 2019 setzte mit einer der größten und international bedeutendsten Kunstausstellungen auseinander: der documenta. 

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Rachel Rose / Fridericianum

Rachel Rose: Wil-o-Wisp, 2018, Still, © Rachel Rose, Courtesy of the artist, Pilar Corrias Gallery, London und / and Gavin Brown’s enterprise, New York / Rome

Rachel Rose: Wil-o-Wisp, 2018, Still, © Rachel Rose, Courtesy of the artist, Pilar Corrias Gallery, London und / and Gavin Brown’s enterprise, New York / Rome

In Rachel Roses erster großer Einzelausstellung in Deutschland präsentiert die Künstlerin (geb. 1986 in New York) im Fridericianum in Kassel ausgewählte Videoinstallationen und eine Reihe neuer Skulpturen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Unendlichkeit der Innenwelten: Lucas Arruda im Museum Fridericianum

Lucas Arruda: Untitled (Deserto-Modelo), 2014, © Lucas Arruda, Courtesy of Mendes Wood DM and David Zwirner, Foto / Photo: Everton Ballardin

In der Geschichte “A Journey Around My Room” (1794) ist der Autor Xavier de Maistre sechs Wochen in sein Zimmer eingesperrt. Er nutzt seine Zeit, um die Unendlichkeit dieses Innenraums zu erkunden. Er begibt sich dabei auf eine Reise durch sein Schlafzimmer und verfasst einen Bericht über das, was er dort erlebt. Lucas Arruda erwähnt diese Geschichte in einem Interview – auch er lotet in seiner Malerei die Weite unserer Innenwelten aus.

In wenigen Tagen enden die Ausstellungen von Lucas Arruda „Deserto-Modelo“ und Ron Nagle „Euphoric Recall“, die vom 6. Juni bis 8. September 2019 im Fridericianum zu sehen waren. Sie markieren den Programmbeginn des neuen Fridericianum-Direktors Moritz Wesseler. Lucas Arruda der “aktuell am Beginn der internationalen Wahrnehmung steht”, wie es in einer Pressemeldung zu der Ausstellung heißt, hatte bereits Beginn 2017 eine vielbeachtete Ausstellung bei David Zwirner in London. Im Rahmen der Ausstellung gab er in einem Gespräch mit Angeria Rigamonti di Cutò interessante Einblicke in seine Arbeit. Ein paar Aspekte daraus finden Sie in diesem Beitrag zusammengefasst. (Das Gespräch in englischer Sprache finden Sie: HIER Diesen Beitrag weiterlesen »

Angelika Doppelbauer: Museum der Vermittlung – Kulturvermittlung in Geschichte und Gegenwart

Am 15. Juli 2019 um 19.30 Uhr hat Angelika Doppelbauer den Mitgliedern des documenta forums ihr Buch „Museum der Vermittlung. Kulturvermittlung in Geschichte und Gegenwart“ vorgestellt. Das war für alle eine sehr anregende und informative Veranstaltung. In dem folgenden Text wird das Buch kurz vorgestellt.

 

Telefonvermittlung: Illustration Valerie Tiefenbacher

Telefonvermittlung: Illustration Valerie Tiefenbacher

Im April 2019 erschien bei böhlau eine Einführung in die Kulturvermittlung. Das Buch beschäftigt sich mit Kulturvermittlung als Beruf. Es zeichnet die Geschichte des Arbeitsgebietes nach und versucht, diese in Relation zur Entwicklung der Institution Museum und ihrer Rolle in der Gesellschaft zu setzen. Der Text beschreibt, wie es zu den unterschiedlichen Bezeichnungen von Museumspädagogik bis Kulturvermittlung kam und widmet sich inhaltlichen Tendenzen und Strömungen im Feld. Die Arbeit befasst sich mit der Etablierung einer eigenständigen wissenschaftlichen Theorie für das Fach der Kulturvermittlung sowie den vorherrschenden Forschungsschwerpunkten und dokumentiert den Prozess der Formulierung eines Berufsbildes.
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Nun ist er also weg vom Königsplatz, der Obelisk von Peter-Matthias Gaede 

Peter-Matthias Gaede (* 27. April 1951 in Selters) ist ein deutscher Journalist. Er war von 1994 bis 2014 Chefredakteur des Reportagemagazins GEO von Gruner + Jahr. (Wikipedia)

Bild: Peter-Matthias Gaede, links im Bild während der Museumsnacht 2016 in Kassel

Nun ist er also weg vom Königsplatz, der Obelisk. Nun ist sie also abgebaut, diese Provokation, diese Beleidigung des “gesunden Menschenverstands”, dieses fast schon Entartete, diese hohle Hässlichkeit, die ja jeder Betonfacharbeiter bauen könnte, diese Pseudo-Kunst mit ihrem unverschämten Dank der Fremden, die sich aufgenommen fühlen, obwohl sie doch Fremde sind. Dieser Beleg für alles, was man schon immer an der Lokalpolitik so schrecklich fand, wenn sie nicht gerade Schützenvereine unterstützt. Nun also haben sie endlich verloren, diese Schnösel, die sich doch tatsächlich erdreistet haben, ihr eigenes Geld für den Obelisken geben zu wollen. Nun hat, schreiben zumindest die 50, 60 chronischen Wutkommentarverfasser im Forum der HNA, das Volk gesiegt. Auch wenn es nie befragt worden ist. Nun hat angeblich die Mehrheit gesprochen, obwohl sie es nie getan hat. Nur ruhiger geblieben ist als jene, die dem Künstler Olu Oguibe auch nach dem Abbau seines Werkes noch die Krätze an den Hals wünschen. Nun ist eine unverschämte Elite in ihre Schranken verwiesen und der Königsplatz zu Kassel endlich wieder frei für Bratwurstbuden und andere Grundrechte des deutschen Bürgers mitsamt seinem Verständnis von – allerdings nie artikulierter – „wahrer Kunst“.

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Gila Kolb – Bedeutungen verschieben.

Gila Kolb ist Kunstpädagogin und Kunstvermittlerin und Dozentin für Fachdidaktik im Studiengang MA Art Education an der HKB und PHBern und leitet das Forschungsprojekt «The Art Educator’s Walk- Strategien und Haltungen von Kunstvermittler*innen auf der documenta 14 im Forschungsschwerpunkt Intermedialität der HKB Bern.

Sie ist Mitglied des Vorstandes des documenta forums, Mitherausgeberin des Readers «What’s Next? Art Education» (Kopaed Verlag, 2015) und Herausgeberin des dreisprachigen Interview-Blogs «The Art Educator’s Talk». Aktuelle Kunstvermittlung betreibt sie mit der Agentur «agency art education» und der Gruppe «Methode Mandy». Forschungsschwerpunkte: Zeichnen können im Kunstunterricht (Promotionsprojekt), Strategien und Agency von Kunstvermittler*innen der documenta14 (Forschungsprojekt) und Kunstvermittlung nach dem Internet. (Foto: Olga Holzschuh)

„Welche Lektüre, Postion, Autorin oder Theorie, welcher Moment oder welche Situation, welches Erlebnis hat ihnen die gesellschaftliche Relevanz von Kunst vorgeführt?“ – eine Antwort auf diese Frage der HKB- Zeitung 2/2018. Erstveröffentlichung: HKB Zeitung 2/2018, S. 16-17 im Mai 2018, abrufbar hier.

Im letzten Sommer fand die documenta 14, eine der wichtigsten Grossausstellungen zeitgenössischer Kunst, in Kassel statt. Mit drei Beispielen aus deren Kontext möchte ich auf die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst antworten:

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Der neue Blog des documenta forums

Heute eröffnen wir den Blog des documenta forums! Hier werden wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge von Gastautoren und Mitgliedern des documenta forum rund um die Themenschwerpunkte documenta forums veröffentlichen. Für die Beiträge, die hier erscheinen werden, zeichnen die jeweiligen Autoren verantwortlich, es sind keine “offiziellen” Stellungnahmen des documenta forums. 

Der erste Beitrag des neuen Blogs stammt von Peter-Matthias Gaede. Gaede war von 1994 bis 2014 Chefredakteur des Reportagemagazins GEO von Gruner + Jahr. 2017 hat er einen vielbeachteten Artikel für das Magazin der Süddeutschen Zeitung geschrieben – er hatte die Vorbereitungen zur documenta als Journalist begleitet. Für unseren Blog wechselt er gewissermaßen die Blickrichtung und schreibt nun kritische Anmerkungen über die vielen “Nachbereitungen” zur documenta 14.

Der zweite Artikel stammt aus der Feder von Hans Brinckmann. Brinkmann ist Mitglied des documenta forums. Er war jahrelang Hochschulpräsident der Universität Kassel. Er gilt als ausgewiesener Experte für Umwelt- und Medienrecht sowie der Biopolitik. In der Sitzung des documenta forums am 13. März 2018 gab es eine ausführliche und sehr vielstimmige Debatte zu dem Obelisken von Olu Oguibe. Hans Brinckmann hat dazu einige “Anmerkungen zur Ikonographie” vorgetragen. Seinen überarbeiten Vortrag hat er uns freundlicherweise für unseren neuen Blog zur Verfügung gestellt.

Hier geht es zu den ersten beiden Beiträgen.

Anmerkungen zur Ikonographie des Obelisken von Olu Oguibe von Hans Brinckmann

Hans Brinckmann (* 13. Juni 1934 in Hamburg) ist ein deutscher Jurist und ehemaliger Hochschulpräsident der Universität Kassel. Er gilt als ausgewiesener Experte für Umwelt- und Medienrecht sowie der Biopolitik.  (Wikipedia)

Bild: Hans Brinckmann (links, im Gespräch mit Lutz Freyer)

Anmerkungen zur Ikonographie des Obelisken von Olu Oguibe – Für die Sitzung des documenta Forums am 13. März 2018  – von Hans Brinckmann

1. Wer ist das Subjekt der Inschriften, wer ist „Ich“?
Es könnte der Obelisk selbst sein, der als „fremde“ Figur in die Stadt kommt und den die Bevölkerung der Stadt beherbergt (beherbergen soll). Der Künstler selbst betont: „Der Obelisk ist eine zeitlose Form, eine Form, die aus dem Altertum stammt, ursprünglich kam sie aus Afrika.“(1) Der „Fremde“ könnte der Künstler sein, der mit seinem Kunstwerk von der Stadt aufgenommen wird. Es könnte ein ungenannter Fremder, der erklärt, er sei von der Stadtbevölkerung beherbergt worden. Für meine weiteren Überlegungen will ich die ersten beiden Varianten ausschließen und als Subjekt, als „Ich“ der Aussage, den Fremden schlechthin annehmen. 

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Peter-Matthias Gaede über die documenta 14

Peter-Matthias Gaede (* 27. April 1951 in Selters) ist ein deutscher Journalist. Er war von 1994 bis 2014 Chefredakteur des Reportagemagazins GEO von Gruner + Jahr. (Wikipedia)

Bild: Peter-Matthias Gaede, links im Bild während der Museumsnacht 2016 in Kassel

Es ist ein Skandal, das 5,4-Millionen-Defizit der documenta 14 betrüblich zu finden und es künftig vermeiden zu wollen. Es ist ein Angriff auf die Freiheit der Kunst, die Dezentralisierung der documenta, wie sie 2017 mit dem Zweitstandort Athen praktiziert worden ist, für die Zukunft und auch retrospektiv kritisch zu überdenken; vor allem konzeptionell infragezustellen. Es ist eine ausgesprochene Anmaßung der Stadt Kassel, aus der Tatsache, dass sie die documenta seit 1955 wesentlich co-finanziert, die Hoffnung abzuleiten, die documenta könne ihr erhalten bleiben. Es muss sowieso mehr Geld her für die documenta – und dann sollte sie endlich das Recht haben, aus der „Provinz“ verschwinden zu können.

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