documenta – eine Erfolgsgeschichte

Dirk Schwarze über die documenta

Dirk Schwarze war über viele Jahre Vorstand des documenta forums. Im Jahr 2017 ist er 75-jährig überraschend gestorben. Als Journalist und Kunstkritiker war er sicher einer der profundesten Kenner und Vermittler der documenta. Sowohl auf seinem eigenen Blog als auch dem RegioWiki der HNA, deren langjähriger Feuilletonchef er war, finden sich viele Texte von ihm zu den documenta-Ausstellungen. Sein Anspruch war stets, auch komplexe Sachverhalte in verständlichen Worten darzustellen, ohne dabei auf unangemessene Weise zu vereinfachen.

Die Erfolgsgeschichte einer Ausstellung

Keine andere Ausstellung zeitgenössischer Kunst hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten solche Maßstäbe gesetzt wie die Kasseler documenta. Als sie 1955 zum ersten Mal ihre Tore öffnete, konnte sie bestenfalls mit der Biennale in Venedig verglichen werden. Heute gibt es rund um den Globus Dutzende konkurrierende Biennalen, trotzdem konnte die documenta bisher ihre Vorrangstellung behaupten. Möglicherweise besteht ihr Erfolgsrezept darin, dass sie immer wieder die aktuelle Kunst in Beziehung setzte zu älteren Werken, deren Vorbildcharakter unbestritten war. Arnold Bode und Werner Haftmann verfuhren so bei den drei ersten Ausstellungen, und Catherine David sowie Roger M. Buergel knüpften 1997 und 2007 daran an.

© documenta archiv Günther-Becker

© documenta archiv Günther-Becker

Die Idee zur documenta wurde in einem Freundeskreis um Prof. Arnold Bode ab 1953 entwickelt, zuerst unter dem Titel “Europäische Kunst des 20. Jahrhunderts”. Anlass war die Bundesgartenschau, die Bodes Kollege an der Werkakademie in Kassel, Prof. Hermann Mattern, für 1955 plante. Ziel des Freundeskreises war es, wie es am 19. Januar 1954 in einem Brief an den Kasseler Oberbürgermeister hieß, “die Bundesgartenschau 1955 durch eine Kunstausstellung besonderer Prägung, durch Theatervorführungen, musikalische Veranstaltungen, Gespräche etc.” zu erweitern.

Arnold Bodes große Leistung war die Entdeckung des kriegszerstörten Museums Fridericianum als idealem Ausstellungsgebäude. Seine Vision war, Meisterwerke der Moderne zusammen zu tragen – auch um zu demonstrieren, dass die jüngeren Künstler mit ihren Bildern und Plastiken auf dem richtigen Weg seien. Bei der Planung der ersten documenta konnte Bode auf Erfahrungen aus den 20er-Jahren zurückgreifen, in denen er wesentlich an Ausstellungen zeitgenössischer deutscher Kunst mitgewirkt hatte. Von Anfang an hatte Bode im Sinn, auch andere künstlerische Medien einzubeziehen und die Ausstellung möglichst alle vier Jahre zu wiederholen.

(Quelle: Dirk Schwarze – www.regiowiki.hna.de)

Alle Texte von Dirk Schwarze zur documenta, zu Kunst und Kultur finden Sie auf seinem Blog. Dieser Blog ist Teil seines publizistischen Vermächtnisses und wird als Archiv erhalten. > dirkschwarze.net

Auch auf dem Regiowiki der HNA finden Sie eine virtuelle Führung von Dirk Schwarze durch die (Geschichte) der documenta.