Das documenta forum trauert um Floris M. Neusüss

Kunsthochschule Kassel

Neusüss wirkte von 1966 bis 2002 an der Kunsthochschule Kassel

Floris M. Neusüss ist im Alter von 83 Jahren am 1. April 2020 gestorben. Er war einer der profiliertesten Vertreter der experimentellen Fotografie in Deutschland. Neusüss lernte sein Handwerk als Fotograf jedoch von der Pike auf: Er studierte ab 1953 an der Werkkunstschule Wuppertal bei Ernst Oberhoff Malerei, Grafik, Fotografie. Von 1958 bis 1960 studierte er an der Bayerischen Staatslehranstalt in München und anschließend von 1960 bis 1962 an der Universität der Künste Berlin bei Heinz Hajek-Halke. Er lebte danach als freier Fotograf in Berlin, Wien und München.

Neusüss wirkte von 1966 bis 2002 an der Kunsthochschule Kassel

Ab 1966 lehrte er zunächst als freier Dozent an der Kunsthochschule Kassel. 1972 wurde er schließlich zum Professor für Fotografie an die Kunsthochschule Kassel berufen. Er lehrte experimentelle Fotografie. 1972 gründete er an der Kunsthochschule Kassel die legendäre Hochschulgalerie Fotoforum Kassel. Kassel wurde damit zu einem Zentrum der sogenannten zweiten Avantgarde der Fotografie. Im Jahr 2002 wurde Neusüss emeritiert.

2015 übergaben Floris Neusüss und Renate Heine das umfangreiche »Fotogramm-Archiv HeyneNeusüss« an das ZKM. Er lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Kassel. Dem documenta archiv in Kassel zeigte sich Neusüss stets verbunden: er schenkte ihm immer wieder Teile seines Archivs mit umfangreichen Konvoluten und Fotografien. Darunter  auch die Portraits von Arnold Bode und Joseph Beuys, die anlässlich der 5. documenta 1972 entstanden.

Fotografie als Lichtzeichnung begreifen

Auch wenn Neusüss stets experimentiert und sein Medium die Fotografie ständig befragt hat, verbindet man seinen Namen wohl vor allem mit seinen außergewöhnlichen, oft großformatigen Fotogrammen. Die “Kunst einen Schatten zu fixieren”, wie es oft heißt, tritt hier wohl in ihrer reinsten Form auf: “Neusüss hat sich nicht mehr bloß für das Abbildhafte der Fotografie interessiert, sondern eher dafür, was man eine Metaphysik des Bildes nennen könnte. Er wollte die Fotografie vor allem als Lichtzeichnung begreifen.” (Ulrich Pohlmann)

Sechzig Jahre setzt sich Floris Neusüss theoretisch wie praktisch mit experimenteller Fotografie und dem Fotogramm auseinander – eine Arbeit, die in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen international gewürdigt wurde.

Das documenta forum und viele Mitglieder, die ihn selbst noch als engagierten Lehrer gekannt haben, nehmen Abschied von Floris M. Neusüss.