Moritz Wesseler ab November 2018 neuer Direktor des Fridericianum in Kassel

Moritz Wesseler, Köln 2018, © Albrecht Fuchs, Köln

Moritz Wesseler, Köln 2018, © Albrecht Fuchs, Köln

Der Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH hat Moritz Wesseler ab 1. November 2018 als neuen Direktor des Fridericianum in Kassel berufen. Dem Auswahlgremium gehörten an: Krist Gruijthuijsen, Direktor KW Institute for Contemporary Art, Berlin, Bettina Steinbrügge, Direktorin Hamburger Kunstverein, René Zechlin, Direktor Wilhelm-Hack- Museum Ludwigshafen, und Dr. Sabine Schormann, designierte Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.

Der 37-jährige Kunsthistoriker und Kurator Moritz Wesseler arbeitete zuvor als Direktor des Kölnischen Kunstvereins, an dem er Ausstellungen mit internationalen Künstlern wie Pietro Roccasalva, Nathalie Djurberg & Hans Berg, Andra Ursuta, Annette Kelm, Darren Bader, Petrit Halilaj, João Maria Gusmão + Pedro Paiva, Ketuta Alexi-Meskhishvili, Stephen G. Rhodes, Uri Aran, Andro Wekua, Christiana Soulou, Avery Singer, Danny McDonald, Talia Chetrit, Adriano Costa, Cameron Jamie, Alex Da Corte und Walter Price realisierte. Parallel zur Ausrichtung dieser Präsentationen lag ein besonderer Schwerpunkt seiner Programmatik auf der Vermittlungsarbeit sowie auf der Öffnung des Kölnischen Kunstvereins in Richtung eines breiteren Publikums.

So wurden in der Institution in regelmäßigem Turnus Vorträge, Gespräche, Konzerte und Performances ausgerichtet, während sie durch die Einführung der sog. Vereinsgabe, einer kostenlosen Editionsserie, die von den prominenten Künstlerinnen und Künstlern Rosemarie Trockel, Lawrence Weiner, Kai Althoff, Isa Genzken sowie Luc Tuymans gestaltet wurde, eine große Beitrittswelle erlebte. Moritz Wesseler ist Nachfolger von Susanne Pfeffer, die Anfang 2018 nach Frankfurt zum Museum für Moderne Kunst wechselte. 

Christian Geselle, Oberbürgermeister der Stadt Kassel und Aufsichtsratsvorsitzender der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, begrüßt die Entscheidung: „Mit Moritz Wesseler haben wir einen vielversprechenden jungen Direktor gewinnen können, dessen Anliegen es ist, die große Tradition des Fridericianum als Ort der Begegnung und des Austausches mit zeitgenössischer Kunst in die Zukunft zu führen und das Haus auch mit regionalen wie überregionalen Akteuren zu vernetzen.“

Boris Rhein, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, sieht mit dem neuen Direktor des Fridericianum eine große Chance, das Haus auch weiterhin als zentralen Ort für Gegenwartskunst zu positionieren und damit Anklang bei Besucherinnen und Besuchern zu erhalten: „Moritz Wesseler hat in Köln gezeigt, dass seine anspruchsvollen Ausstellungen auch Akzeptanz bei einem breiten Publikum finden. Wir sind überzeugt davon, dass er diesen Brückenschlag auch in Kassel fortsetzt.“

„Das Fridericianum ist ein herausragendes Ausstellungshaus und hat einen wichtigen Anteil daran, dass Kassel in der ganzen Welt bekannt ist. Ich freue mich darauf, in die documenta-Stadt zu ziehen und an die gute Tradition meiner Vorgängerinnen und Vorgänger anzuschließen,“ sagt Moritz Wesseler. „Dabei ist es mein Ziel, zentralen Akteuren der Gegenwartskunst eine Plattform zu bieten, die in Deutschland noch weitestgehend unbekannt sind. Zudem soll ein Augenmerk meiner Arbeit auf die weitere Einbindung der Institution in die Stadt bzw. in die Region gelegt werden.“

„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Moritz Wesseler“, so Dr. Sabine Schormann, designierte Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. „Unser gemeinsames Ziel ist es, das Fridericianum als lebendigen Ort der zeitgenössischen Kunst weiterzuführen“.

Über Moritz Wesseler

Moritz Wesseler, geboren 1980 in Bremerhaven, studierte Betriebswirtschaftslehre und Kunstgeschichte in Mainz und Paris. Bereits parallel zu seinem Studium begann er, mit Künstlern wie Cathy Wilkes, Martin Boyce, Ceal Floyer und Manfred Pernice Ausstellungen zu organisieren. Zudem gab er zeitgleich Künstlerbücher sowie Kataloge von Gregor Schneider, Luc Tuymans und Anri Sala heraus und begann mit dem Aufbau des Archivs des Kabinetts für aktuelle Kunst in Bremerhaven. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung arbeitete er an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, begleitete die Ausstellungsreihe Double am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main und konzipierte die Initiative Fürstenberg Zeitgenössisch in Donaueschingen und Heiligenberg, die u.a. ein Stipendiaten- und Wechselausstellungsprogramm umfasst. Neben seiner Tätigkeit als Kurator publiziert er regelmäßig Bücher und Texte zur Kunst des 20. Jahrhunderts sowie zur Gegenwart und beteiligt sich an nationalen sowie internationalen Fachjurys. Seit September 2017 ist er Kurator von Neue Kunst in Hamburg.

Über das Fridericianum

1779 eröffnete mit dem Museum Fridericianum der weltweit erste als öffentliches Museum konzipierte Bau. Im Sinne der Aufklärung erdacht und vom hugenottischen Architekten Simon Louis du Ry erbaut, durchlief das Fridericianum in der Folgezeit eine von Brüchen gezeichnete Geschichte und blieb Austragungsort von Historie.

Seit 1988 ist das Fridericianum ein zentraler Ort der Gegenwartskunst. Signifikante Positionen und Strömungen der Kunst wie gesellschaftlich relevante Fragestellungen werden hier aufgegriffen, präsentiert und verhandelt. Gezeigt werden Einzelausstellungen junger internationaler Künstler, die oft raumgreifende Aspekte betonen. Auch Retrospektiven gehören zum Programm. Inhaltlich stehen zeit- und gesellschaftskritische Stellungnahmen von Künstlern im Vordergrund. Screenings und Performances, Konferenzen und Symposien runden das Programm ab und zeigen das Spektrum aktueller Kunst und Diskurse auf.