5. Oktober 2022

Podcast des documenta Instituts: die documenta und ihre kontaminierten Ursprünge

[Pressemeldung] In der ersten Staffel der Podcastreihe „Kunst & Zeit“ sprechen der Gründungsdirektor des documenta Instituts Heinz Bude und Kuratorin Ellen Blumenstein gemeinsam mit Kunstexpert*innen und Wissenschaftler*innen über die documenta und ihre kontaminierten Ursprünge. Im Spannungsfeld zwischen Kunst, Politik und Gesellschaft wird die Unwahrscheinlichkeit des Projekts documenta nach 1945 deutlich: Was selbstverständlich weiterging und womit ausdrücklich gebrochen wurde.

Von Jacques Derrida weiß man, dass die Suche nach dem Ursprung zumeist im Fake des Anfangs endet. Trotzdem ist die documenta wie die Bundesrepublik irgendwann so losgegangen, dass sich ein paar ältere Herren zusammengesetzt und eine „Stunde Null“ ausgerufen haben. Ihnen war klar, dass das mehr ein Entschluss als eine Tatsache war.

Die erste Staffel des Podcast beschäftigt sich mit den Herren, die die documenta 1955 erfanden und fragt danach, was sie da hinter sich lassen und wohin sie aufbrechen wollten. Welche Last hat Werner Haftmann abgeworfen? Worüber haben Bode und Haftmann miteinander geschwiegen? Welche Bilder wollten sie unbedingt zeigen, welche haben sie unter den Tisch fallen lassen?

Ellen Blumenstein und Heinz Bude geht es um die Archäologie einer kuratorischen Haltung, die am Anfang dieses ungeheuren Unternehmens einer Weltausstellung moderner Kunst nach 1945 stand. Sie reden mit ihren Gesprächspartner*innen über „kontaminierte Ursprünge“ und darüber, auf welchen Wegen wiederkehrt, was man ein für alle Mal für überwunden hielt.

„Es ist doch klar, dass der Neubeginn der Bundesrepublik nach 1945 auch in der Kunst keine astreine Angelegenheit war. Wir finden es beide merkwürdig, dass die bildende Kunst zuletzt auf die Idee gekommen ist, nach der Vorgeschichte der entscheidenden Akteure in diesem Feld zu fragen“, so Heinz Bude und Ellen Blumenstein. In den einzelnen Folgen der Podcastreihe diskutieren sie darüber mit Claus Leggewie, Rudolf Zwirner, Nanne Buurman, Dorothea Schöne, Harald Kimpel, Eckhart Gillen und Franziska Leuthäußer.

Die erste Staffel steht auf der Internetseite des documenta Instituts und auf Spotify zur Verfügung.

Zu den Gastgebern:

Ellen Blumenstein ist gebürtige Nordhessin und hat in Hamburg die Institution Imagine The City gegründet, die Kunst im Rahmen großer Stadtentwicklungsprojekte realisiert. Heinz Bude kommt aus Wuppertal und ist seit 2000 Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Im August 2020 wurde er zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen.

Über das documenta Institut:

Das documenta Institut entsteht in Kooperation zwischen dem Land Hessen, der Stadt Kassel, der documenta und Museum Fridericianum gGmbH sowie der Universität Kassel mit der Kunsthochschule unter finanzieller Beteiligung für das Bauvorhaben durch die Beauftragte für Kultur und Medien beim Bund. 2020 wurde Professor Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor ernannt. Im Rahmen des Aufbaus des documenta Instituts wurden mit Mitteln des Landes Hessen drei Tenure Track-Professuren in den Fachbereichen Geistes- und Kulturwissenschaften, Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung und Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel ausgeschrieben, die im Jahr 2021 mit Professorin Liliana Gómez, Professor Felix Vogel und Professorin Mi You besetzt wurden.

© Can Wagener / Dorfmeyster
© Thomas Hampel