Runder Tisch zum documenta-Institut – Große Zustimmung zum Karlsplatz

Noch bis vor kurzem musste man den Eindruck haben, der Standort des documenta-Institut am Holländischer Platz sei im Grunde beschlossene Sache. Doch die Stimmen, die sich dagegen aussprachen, wurden nicht leise. Das documenta forum hatte aus seiner Skepsis ohnehin keinen Hehl gemacht. Auch Documenta-Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann ließ laut HNA “durchblicken”, dass sie das documenta-Institut eher in der Innenstadt sähe, auch wenn sie die Entscheidung für den Holländischen Platz akzeptiere. 

Runder Tisch hält Standort am Holländischen Platz für ungeeignet

Der „Runde Tisch Kasseler Kulturgesellschaften“ erklärte den vorgesehene Standort rundweg für völlig ungeeignet. Dieser Runde Tisch wurde für der Kulturhauptstadtbewerbung Kassels für das Jahr 2010 gegründet, und versammelt mehr als 40 Kasseler Kulturvereine und Institutionen. Das documenta Forum gehört dazu. In einer Mitteilung der Vereinigung hieß es: „Besonders auch im Hinblick auf die Bedeutung und Großartigkeit des Projektes muss an einen ausbaufähigen Standort gedacht werden.“ Der Standort Holländischer Platz lade nicht zum Verweilen ein, da er zwischen Kreuzung und Universitätsgebäuden eingeklemmt sein werde.

Stadtbaurat Christof Nolda spricht sich für den Karlsplatz als alternativen Standort aus

In einem Interview mit der HNA sprach sich Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) nun für den Karlsplatz als alternativen Standort aus: „Beim Karlsplatz haben wir die Chance, den Platz in Gänze neu zu ordnen. Das documenta-Institut wäre eine einmalige Möglichkeit, den Bereich für die Stadt zurückzugewinnen.“

Am Donnerstag, den 13. Juni 2019, 19:30 Uhr fand nun in der GRIMMWELT Kassel auf Einladung des Runden Tisches eine Diskussionsrunde zu den alten und neuen Plänen für documenta institut statt. Auf dem Podium saßen: Prof. Dr. Reiner Finkeldey, Universität Kassel, Marc Köhler, Architekt, BdA, Christof Nolda, Stadtbaurat, Dr. Sabine Schormann, documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Jörg Sperling, documenta forum, Prof. Dr. Nora Sternfeld, Kunsthochschule/Universität Kassel, Susanne Völker, Kulturdezernentin. Die Moderation lag in den Händen von Göran Gehlen, dpa.

Große Einigkeit bei Diskussionsrunde für den Karlsplatz als Standort

Große Einigkeit der Teilnehmer  herrschte beim Ziel: Das documenta-Institut soll eine außeruniversitäre, internationale und interdisziplinäre Forschungseinrichtung mit weltweiter Strahlkraft werden. Wichtig sei darüber hinaus, dass das Institut auch in die Stadtgesellschaft hineinwirken kann. Ebenfalls breite Zustimmung gab es für den Standort Karlsplatz. Auch Stadtbaurat Nolda favorisiert den Standort Karlsplatz: Ein Bebauungsplanverfahren beanspruche etwa ein Jahr, gleichzeitig dazu könnte ein Architektenwettbewerb laufen – beides könnte im Herbst starten.

Jörg Sperling: Neubau muss der Bedeutung der documenta gerecht werden

Jörg Sperling warb für eine Beteiligung der Stadtgesellschaft, die über viele Fachkompetenzen verfüge. Dazu müssten die Verfahren transparent gehalten werden. Außerdem müsse das Institut der Dimension und der Bedeutung der documenta gerecht werden: „Auf keinen Fall dürfe die Planung der Struktur des Institutes einer unlösbaren Kontroverse der Planer geopfert werden und nicht im Kleinklein enden. Die veranschlagten 24 Mio. Euro werden nicht ausreichen, weitere Mittel müssten bereits jetzt beschafft werden.“

 


 

Die verschiedenen (natürlich in manchen Punkten auch konträren) Standpunkte der Diskussionsteilnehmer*innen finden sich in diesem Artikel der HNA.