Horst H. Baumann, der Vater des Kasseler Lasers ist tot

Foto: Jörg Sperling Documenta-Künstler Horst H. Baumann

Documenta-Künstler Horst H. Baumann (Foto: Jörg Sperling)

Der Künstler Horst H. Baumann ist gestorben. Er war auf besondere Weise mit Kassel verbunden: für die Documenta 6 (1977) schuf er die erste permanente Laserskulptur der Welt. Heute gehört der „Laserscape“ zum Stadtbild Kassels und wird auch künftig an Baumann erinnern.

Über Umwege zur Kunst

Baumann wurde 1934 in Aachen geboren. Sein Weg zur Kunst war nicht geradlig: Zunächst studierte er Hüttentechnik, später Pädagogik und schließlich Philosophie und Medien. Seit 1957 – er war gerade Anfang 20 –  arbeitete Baumann als Fotograf und Designer. Er verkaufte seine Bilder an Zeitschriften, zum Beispiel an das bekannte Magazin “Twen”. Als Fotograf “entdeckte” er schließlich seine Faszination für die Möglichkeiten des Lichts selbst.

Kassel um etwas Unnützes bereichern, Baumann auf der documenta 6

1977 war für Baumann sicher ein besonderes Jahr: Er realisierte für die Documenta 6 seine erste große Laser-Installation. Das Licht verband das Zentrum der Ausstellung, das Fridericianum, mit dem Herkules in Wilhelmshöhe. Baumanns künstlerische Grundidee: „Kassel um etwas Unnützes bereichern, die Stadt damit interessanter, unverwechselbarer und auch liebenswerter zu machen.“

documenta forum startete Spendenaktion „Lasermeter“

Die Stadt liebenswerter und reicher zu machen – das ist Baumann gelungen, schreibt Mark-Christian Busse in der HNA: “Der Laserscape ist zum populären Lichtwahrzeichen der documenta-Stadt geworden. Dabei gab es öfter Negativschlagzeilen. Immer wieder musste die Technik repariert werden, 1992 wurden gar Teile vom Turm gestohlen. Aber stets fanden sich Sponsoren, denen die leuchtenden Linien am Herzen lagen.”
 
Dafür hat sich documenta forum lange Jahre intensiv eingesetzt. Busse weiter: “Dem documenta Forum, einem Verein, der die Weltkunstausstellung unterstützt, ist es ebenfalls zu verdanken, dass der Laser noch leuchtet. Er startete 2006 eine Spendenaktion, bei der einzelne „Lasermeter“ gekauft werden konnten, um die Erneuerung der Technik zu stemmen. Sie ist längst viel leichter und leistungsstärker als in ihren Anfängen.”

2018: Laserscape wird an die Stadt Kassel übertragen

„Er war bis zuletzt begeistert und beseelt von seiner Idee“, weiß Jörg Sperling zu berichten: Baumann wollte den Laser sogar noch erweitern; ein roter Strahl vom Turm des Landesmuseums zum Herkules sollte das Werk vervollständigen. Damit sollte die ursprüngliche Idee, Koordinaten aus Licht über die documenta-Stadt zu legen, weiter verfolgt werden.
Das documenta forum, das aus den Erlösen der Spendenaktion für den Laserscape seinen Betrieb über ein Jahrzehnt gesichert hatte, setzte sich auch dafür ein, dass Baumann 2018 die Rechte am Kunstwerk an die Stadt Kassel übertragen konnte. Betrieben wird der Laser jetzt von den Städtischen Werken. Extra für diesen Anlass hat Baumann zwei Modelle erstellt und zur Verfügung gestellt.
 
Dieses Modelle und die Lichtstrahlen an Kassels Nachthimmel werden auch in Zukunft an Horst H. Baumann erinnern.