Jour fixe 12.06.2016 zu Gast: Dr. Birgit Jooss

Zu Gast ist Dr. Birgit Jooss, die seit 1. Juli Direktorin des documenta Archivs ist. Der Abend soll Gelegenheit bieten, mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Zur Berufung von Frau Dr. Jooss versandte die Stadt folgende Pressemitteilung:

Birgit Jooss ist die neue Direktorin des documenta Archivs für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Kassel.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein und Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, haben heute während einer Pressekonferenz in der documenta Halle die neue Direktorin des documenta Archivs Birgit Jooss der Öffentlichkeit vorgestellt.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen erklärte zur Bedeutung des Archivs für die Stadt Kassel: „Arnold Bode hat im Jahr 1955 nicht nur die erste documenta in Kassel realisiert, es war auch seine Idee, für die während einer documenta entstehenden Materialien ein Archiv zu gründen. Im Kasseler documenta Archiv werden seit 1961 Schriftwechsel, Akten, Bilder, Verträge der einzelnen documenta Ausstellungen gesammelt, archiviert und erschlossen. Das ist ein großer Schatz. Durch den kontinuierlichen Aufbau seines Literatur- und Medienbestandes mit dem Schwerpunkt documenta zählt unser Archiv zu den umfangreichsten Dokumentationszentren für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und ist damit eine bedeutende Quelle für jede documenta Leitung, für Künstler, Forscher und Interessierte weltweit.“

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein verspricht sich von der Berufung Jooss’ einen kontinuierlichen Ausbau des Archivs. „Die konzeptionelle Weiterentwicklung des documenta Archivs durch Birgit Jooss wird – gemeinsam mit der besseren finanziellen Ausstattung des Archivs – dazu beitragen, dass die documenta und ihre Geschichte zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen in stärkerem Maße erlebbar wird. Seit diesem Jahr wird das documenta Archiv neben der Stadt Kassel auch vom Land Hessen getragen, und der Jahresetat verdoppelt sich auf eine Million Euro jährlich. Das sind wichtige Schritte, um die documenta auch auf Dauer zu sichern als ein weltweit bekanntes Symbol für die Freiheit, für die Verantwortung und für die Bedeutung von Kunst.“

Aufgaben der Archivdirektion sind neben der Weiterentwicklung des Sammlungsprofils die nationale und internationale Vernetzung des Archivs, die uneingeschränkte Zugänglichmachung und die Entwicklung einer Strategie für die Digitalisierung der Archivmaterialien sowie der weitere Ausbau des Archivs und der Bibliothek, die Beschaffung von Fördermitteln und die Begleitung des geplanten Neubaus/Umbaus des documenta Archivs/Instituts.

„Mit Birgit Jooss haben wir eine international vernetzte und anerkannte Expertin gewinnen können, die das Archiv auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene weiterentwickeln wird. Das ist ein wichtiger Schritt für das Archiv als Grundlage des geplanten documenta Instituts und seine existenzielle Bedeutung für das kulturelle Erbe documenta und seine Zukunft“, sagte Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.

Birgit Jooss promovierte 1998 in München nach einem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Kunstpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität über „Lebende Bilder. Körperliche Nachahmung von Kunstwerken in der Goethezeit“. Bis ins Jahr 2000 arbeitete sie im Ausstellungs- und Museumskontext im Deutschen Historischen Museum, Berlin, im Museum Villa Stuck, München, und im Schlossmuseum Murnau. Sie war bis 2007 Leiterin des Recherchebüros eurinos. kunst- und kulturrecherche und wirkte an der Akademie der Bildenden Künste München wissenschaftlich an der Vorbereitung von deren 200-jährigem Jubiläum im Jahr 2008 mit. Bis 2009 studierte Jooss zusätzlich Archivwissenschaften an der Fachhochschule Potsdam. Von 2007 bis 2015 war sie Leiterin des Deutschen Kunstarchivs im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und im gleichen Jahr Direktorin des Archivs der Akademie der Künste, Berlin. Seit 2016 arbeitet Dr. Birgit Jooss als Dozentin, freie Kunsthistorikerin und Archivarin. Im Juli 2016 wird sie die Direktion des documenta Archivs in Kassel antreten und folgt damit Gerd Mörsch nach, der das Archiv von 2013 bis 2015 leitete.

Birgit Jooss sagt zu ihrer neuen Aufgabe: „Das Archiv der documenta zu übernehmen ist für mich eine große Ehre und eine spannende Herausforderung zugleich. Wohl kein anderes Kunstarchiv in Deutschland ist so international aufgestellt wie dieses. So ist durch das großartige Quellenmaterial, das hier verwahrt wird, das Potenzial der weltweiten Vernetzung einmalig. Ich freue mich aber ebenso auf die Arbeit vor Ort. Hier gilt es zunächst eine gute Infrastruktur für die Forschung zu schaffen – vor allem im Hinblick auf das Digitale –, das Team zu erweitern, die baulichen Gegebenheiten zu verbessern, Projekte zu entwickeln und das Sammelprofil sowie die Außendarstellung des Archivs zu präzisieren. Das documenta Archiv ist fraglos ein bedeutender Baustein unseres kulturellen Gedächtnisses – nicht nur für Kassel, sondern auch für die Kunstszene weltweit. So wollen wir alles daransetzen, diesen Baustein noch sichtbarer zu machen.“
Das documenta Archiv wurde 1961 von Arnold Bode gegründet und umfasst eine Bibliothek mit über 100.000 Bänden, rund 5.000 Film-, Video- und Audiobestände, 60.000 Fotos sowie 1,4 Millionen Archivalien zu den documenta Ausstellungen 1 bis 13. Das documenta Archiv soll Grundlage für das gemeinsam mit der Universität Kassel geplante außeruniversitäre documenta Institut sein. Es soll Kassel auch außerhalb der Zeiten der documenta Ausstellungen als bedeutenden Ort zeitgenössischer Kunst und Kunstforschung profilieren.

Die documenta und Museum Fridericianum gGmbH wird von der Stadt Kassel und dem Land Hessen getragen und ist seit dem 01.01.2016 verantwortlich für das documenta Archiv in Kassel.